Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424
II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - II. ABSCHNITT. Die Jagd und deren Betrieb
Das Pferd und die Jagd. fpezielle Zuchten von folchen Gebirgspferden, und diefe, neben allen anderen Exponaten zu zeigen, war Aufgabe des Komitees für die zweite Abteilung. Die Tiroler Bauern in Originaltrachten mit ihren Haflingern, die Huzulen in ihrer originellen Art mit gleichnamigen Pferden, der Galizianer mit dem kleinen Konik und nicht zuletjt der Bosniak und Herzegovze mit dem Saumtier und Reitpferde, waren die Vertreter der beimifcben Typen, die dem Publikum gezeigt wurden. Aber auch die Heeresverwaltung und die Landwehr zeigten in dankenswerter Weife, daß der Pony und das Tragtier bei der Armee in Verwendung fteben; durch die von den betreffenden hoben Stellen ausgefeilten Typen wurde gleicbfam vorgewiefen, was verlangt wird und wie ficb die einzelnen erworbenen Tiere ihrer Verwendungsart anzupaffen haben. Unter dem regen Bilde, das ficb am Vorfübrungsring abfpielte, wobei die Ponies in allen Gangarten, die Karawanen bepackt, die Tragtiere beladen gezeigt wurden, da gelangten aucb die Mafcbinengewebr-flbteilung und die Gebirgsartillerie, das Intereffe des Publikums in böcbftem Maße erregend, zur Anfcbauung. Die Landesregierung von Bosnien hatte eine komplette Kollektivausftellung zur Schau gebracht und mit derfelben nicht bloß die bepackte Karawane, fondern auch den Bosniak als Reittier und in feiner Verwendung zu der in Bosnien beute noch landesüblichen Falkenjagd gezeigt. Außer den beimifcben Typen waren aucb noch Sbetlands und Korfikaner Ponies fowie englifcbe Reitponies ausgeftellt, und konnte aucb der Budapefter Poloklub den Polopony, wenn auch nicht im Polofpiel, fo doch der Parforcejagd in Pardubitz der ein ausgedehntes Geftüt zur Zucht von Jagdpferden für mittleres und fcbweres Gewicht erhält. Das, was da gezeigt wurde, war vielfeitig und mannigfaltig, und das lebhafte Bild, das ficb allnacbmittäglicb in der Ausftellung entwickelte, bekundete das hohe Intereffe, welches gerade diefer Expofition entgegengebracht wurde. In einzelnen Abteilungen kamen die Jagdpferde unter dem Sattel zur Schau, wurden über die im Vorfübrungsring placierten Hinderniffe fprinHaflingerftute »Resl«. Jagdpferd Seiner Majeftät des Kaifers Franz Jofepb I. in feiner Wendfamkeit beim Jeu de barre und Gimkbana zeigen. Die Abteilung der Reitund Jagdpferde, die fo recht eigentlich das Pferd in feiner Verwendung zur Jagd zur Darftellung brachte, war mit fowobl aus England und Irland importierten als aucb beimifcb gezogenen Jagdpferden ausgezeichnet be= fcbickt. Se. Exzellenz Graf Larifcb hatte ficb vorbehalten, diefe Gruppe perfönlich durchzuführen, ift er ja beute noch unfer bewährter Mafter bei gend gezeigt, ja aucb der rote Rock, den der vorzügliche Hundsman der Pardubit)er Meute mit feinen beiden Wbips zur Schau gebracht, ergänzte das Bild, das jeden Kenner entzücken mußte. Es war eine fcbwere Aufgabe für das Preisgericht, aus dem Guten das Befte herauszufinden, und die wohlverdiente Anerkennung, die den Einzelnen zuteil wurde, mag nur den Beweis liefern, daß die Zucht des Reit- und Jagdpferdes bei uns beute noch immer einen reichen Born bedeutet, aus dem man fcböpfen kann. Angegliedert an diefe Abteilung fand vom 6. bis 8. Juni am Platje der Kampagnereiter-Gefellfcbaft ein Preisfpringen, verbunden mit einer Hoch- und einer Weitfprung-Konkurrenz, ftatt, an welche Veranftaltungen ficb ein neuer Typus eines Wettbewerbes, die fogenannte Gyzicki-Konkurrenz, beftebend in einem Jagdgalopp auf zirka 15 Kilometer Diftanz, anfcbloß, nach deren Abfolvierung die normalen Hinderniffe zu fpringen waren. Die Qualität der Leiftung war maßgebend für den Erfolg. Die zweimonatliche Paufe, welche nunmehr in der Reibenfolge der temporären Pferdeausftellungen eintrat, diente zur Vorbereitung für die Herbftausftellungen, die am 27. Auguft mit der Gruppe der Zugpferde begannen. Wenngleich es allerdings wünfcbenswert gewefen wäre, diefe Abteilung an die vorhergegangenen unmittelbar anzugliedern, fo war dies doch, wie vorerwähnt, infolge von Verpflichtungen, die von Seite der Ausftellungsleitung den Ausftellungsplat) betreffend früher eingegangen worden waren, untunlich. Aus diefem Grunde mußte diefe Abteilung neben ihrem Zwecke als Gebraucbsausftellung gleicbfam den Übergang zu den darauffolgenden Aufteilungen bilden, in welchen die Pferdezucht als folcbe zum Ausdruck gebracht werden follte. Die einzelnen Kollektivausftellungen, die fpeziell aus Repräfentanten der Landeszucbt flammten, beftanden teilweife aucb aus im Zucbtbetriebe verwendeten Stuten, und mit diefen und durch diefe war der Übergang zur fogenannten Zucbtausftellung angebahnt. Die Zweiteilung diefer Abteilung, und zwar in warmblütige und in kaltblütige Zugpferde, war dem ausgefeilten Materiale fowie der Zucbtricbtung, wie fie im allgemeinen Betriebe der Landespferdezucbt ficb vorfindet, entfprecbend. Sie war aucb deshalb gerechtfertigt, weil fpeziell in der Zucht des warmblütigen Zugpferdes die Wehrkraft eine mächtige Unterftütjung für die Befcbaffung des nötigen Remontepferdes findet. 15 II. Teil. 113