Die Erste internationale Jagd-Ausstellung Wien, 1910. Wien-Leipzig, 1912 / Sz.Zs. 424

II. TEIL. Die Ausstellung und das Jagdwesen - II. ABSCHNITT. Die Jagd und deren Betrieb

Das Pferd und die Jagd. von Lippizaner Geftüten, wie folcbe beifpielsweife von der öfterreicbifcben Regierung in Radau^, von der ungarifcben Regierung in Fogaras gegründet wurden. Auch einzelne Privatgeftüte betreiben die reine Lippi­zanerzucbt. Wenngleich, wie es anfangs war und es aucb jetjt nocb die Aufgabe des Hofgeftütes in Lippiza ift, Pferde für den Allerhöchsten Marftall, und zwar fowobl für die fpanifcbe Schule, die wohl einzig in der Welt daftebt, als auch zum Gebrauch als Wagenpferde zu befcbaffen, fo bat doch die eigenartig entwickelte Raffe der fogenannten »Karfter« dabin geführt, daß man auf jede Weife trachtete, diefe vorzüglichen Typen zu verallgemeinern und einem weiteren Intereffentenkreife zuzuführen. Diefe Lippizaner aus Privatgeftüten waren auf der Ausftellung zu feben, und die Anerkennung, die ihnen ausgefprocben wurde, war eine nach jeder Richtung bin wohlverdiente. Ein weiteres wichtiges Moment, das bei der Equipagen-Ausftellung zu erkennen war, ift der mächtige Einfluß, den der Betrieb der Traberzucbt nunmehr bei uns ausübt, ein Einfluß, der ficb durch hervorragende Schnelligkeit, welche der auf amerikanifcber Unterlage gezüchtete jucker nunmehr zu betätigen in der Lage ift, bemerkbar macht. Es find kaum 30 Jahre, da fand bei uns der erfte Import von amerikanifcben Hengften ftatt, ein Import, der ficb ftets mehr und mehr ausbreitete, die weitere Importation von Mutterftuten fowie die Entwicklung der beimifcben Traberzucbt, dann das ausgebildete Syftem der Trabrennen zur Folge hatte. Diefe Zucht übt nunmehr einen weitgebenden Einfluß auf den Betrieb des Scbnellfubrwerks, der Juckerzucbt und der Luxusgefpanne aus. K. u. k. Hofgeftüt Lippiza. Aufnahme von Ruda Brunner=Dvorák, Prag. Der überaus mächtige Auffcbwung, den die Traberzucbt genommen, fet}t uns in die Lage, in bezug auf die Schnelligkeit des Wagenpferdes in Europa an erfter Stelle zu fein und den allbekannten Jucker, der ja bei uns fpricbwörtlicb und beimifcb ift, in einer Umbildung zu zeigen, die die Schnelligkeit von 2 Minuten per Kilometer als normale erfcbeinen läßt. Solche Exemplare, die in vorzüglicher Verfaffung auf der Ausftellung gezeigt wurden, fanden gleich­falls die vollfte Anerkennung und konnten den Beweis liefern und dem großen Publikum zeigen, wie fcbnell und erfolgreich ficb eine auf rationeller Bafis aufgebaute Pferdezucht zur vollften Blüte zu entwickeln vermag. Die übrigen ausgeftellten Equipagen waren Repräfentanten unferer beimifcben Geftüte, die ficb gleichfalls in tadellofer Form zeigten und ihrem alten Rufe voll und ganz entfpracben. Die zweite Abteilung der Tragtiere und Ponies, die unter Führung eines von Sr. Exzellenz Franz Grafen Clam=Gallas geleiteten Komitees ftand, hatte eine weit größere Bedeutung als dies wohl im erften Augenblick angenommen werden konnte. Die Bedeutung des Ponys und Tragtieres liegt nicht mehr wie früher bloß in der Verwendung und in dem Gebrauch unter dem Sattel und als Tragtier, vielmehr bat diefe Type beute bei der nunmehrigen Armierung in unterem Heere eine weitverbreitete Verwendung für die Armee gefunden. Mafcbinengewebre, Gebirgsartillerie, das find zwei Worte, welche beute auf die Neuarmierung hindeuten, und diefe beiden flehen in engfter Ver­bindung mit dem Worte Tragtier, und darum hat die Zucht des Ponys und des Tragtieres in neuefter Zeit an Wertfchätjung und an Bedeutung in böcbftem Grade zugenommen. In unferer Monarchie und dem angegliederten Bosnien und der Herzegowina haben wir, was den Pony und das Tragtier anbelangt, eine ganze Reihe von Spezialzucbten. Wir haben noch Lagen und Gegenden, in welchen wirklich noch gefäumt wird, und darum ift bei uns beute der Pony und das Tragtier noch immer ein Faktor, mit welchem aus volkswirtfcbaftlicben Gründen zu rechnen ift. Wir haben in Öfterreich ganz 112

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