Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Piotr Franaszek: Die Handelsbeziehungen zwischen der Volksrepublik Polen und Österreich in der Zeit von 1945-1989

Piotz Franaszek beteiligte sich daher aktiv an dem Ausbau der polnischen Kohle-Kraftwerke in der Hoffnung auf die Lieferungen von Elektroenergie über Tschechien nach Polen als Gegenleistung. Ähnliche Ziele schwebten den österreichischen Firmen vor, die am Gewinnung und Transport von Erdgas aus Polen interessiert waren. In den 70er Jahren bekundeten auch kleine und mittelgroße Betriebe ihr Interesse für die Zusammenarbeit mit Polen. Es gibt auch keinen Zweifel, dass sich die Kooperation im Bereich der Industrie und des Handels zwischen den beiden Ländern auch deshalb so erfolgreich entwickeln konnte, weil es in der österreichischen Industrie einen starken verstaatlichten Sektor gab. Anfang der 80er Jahre wurde Polen von tief greifenden Krisenerscheinungen erfasst, die alle Lebensbereiche, darunter auch die Wirtschaft, betrafen. Diesem wirkte sich auch sofort negativ auf die Zusammenarbeit Polens mit den anderen Ländern aus. Die Kontakte Polens mit dem Ausland brachen zusammen. Der hauptsächliche Grund dafür war die noch in die 70er Jahre zurückreichende riesige Verschuldung der polnischen Machthaber in den kapitalistischen Ländern. Im Jahre 1980 sollen sich die Gesamtschulden Polens auf 23 Mrd. US Dollar belaufen haben. In stärkstem Maße war Polen in Westdeutschland (4,5 Mrd. Dollar) und in den USA (drei Mrd. Dollar) verschuldet. Ein bedeutender Gläubiger Polens war auch Österreich - die in Österreich gemachten Schulden betrugen 1,5 Mrd. Dollar, d. h. ca. 6,5 Prozent der gesamten Verschuldung Polens im Ausland.15 Mit der Zeit nahm der polnische Anteil am Export anderer Länder systematisch ab. 1985 machte die österreichische Ausfuhr nach Polen nur noch 1,1 Prozent des Gesamtexportes Österreichs aus. Das war ohnehin mehr als Polens Anteil am Export Frankreichs (0,28 Prozent), Westdeutschlands (0,67 Prozent), Schwedens (0,78 Prozent), Großbritanniens (0,38 Prozent) oder der USA (weniger als 0,01 Prozent).16 Die 1990er Jahre Nach der politischen Umwandlung Anfang der 90er Jahre in Polen setzte ein starker Zufluß ausländischen Kapitals in die polnische Wirtschaft ein. Der größte Kapitalanteil fiel im Jahre 2000 den französischen (7 901 Mio. Dollar) und amerikanischen Firmen (7 350 Mio. Dollar) zu. Das österreichische Kapital platzierte sich auf Rang elf mit einem Betrag von 1 172 Mio. Dollar gegenüber 49 392 Mio. Dollar aller ausländischen Investitionen in die polnische Wirtschaft. Es war somit nur ca. 2,4 Prozent des Gesamtkapitals. Unter den größten Investoren fand sich allerdings die Bank Austria mit einer Kapitalbeteiligung von knapp 400 Mio. Dollar; sie wurde damit zu der vierten Firma auf der Rangliste der größten 15 Jasiriski, Leszek, Jerzy: Polskie kontakty gospodarcze z zagranica w XX wieku (Polnische Wirtschaftskontakte mit dem Ausland im 20. Jahrhundert). Warszawa 2003, S. 191. 16 Ebenda, S. 225. 194

Next

/
Oldalképek
Tartalom