Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Christoph Boyer: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Sowjetischen Besatzungszone in Deutschland (SBZ) bzw. der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) (1945-1989/90)

Anzeichen fur das wachsende internationale Prestige der DDR. Nicht zuletzt war Kreiskys Besuch Anlass für den Abschluss einer Reihe weiterer Jointventures; hier war die VOEST-Alpine nach wie vor wichtigster Partner der DDR. Am Rande von Erich Eloneckers Staatsbesuch in Österreich im November 1980 und danach wurde die Geschäftsverbindung mit der VOEST durch neue langfristige Abkommen über den Güteraustausch und die gemeinsame Errichtung industrieller Anlagen, in vielen Fällen in Entwicklungsländern, erweitert. Andere DDR-Außenhandelsuntemehmen schlossen Verträge u. a. mit den Vereinigten Edelstahlwerken, mit Waagner-Biro, Simmering-Graz-Pauker, Plasser &Theurer und der Chemie Linz AG. 2. In den Achtzigerjahren beschleunigte sich die Verlagerung der Gewichte hin zu elaborierteren Formen der Kooperation in der Produktion von Maschinen und Ausrüstungen, überhaupt von Investitionsgütern; maßgeblich waren drei Ursachen: Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Sowjetischen Besatzungszone a) In der Folge der Ölkrise der Siebzigerjahre passte die Sowjetunion nach und nach die Preise ihrer Öllieferungen an die „kleinen“ sozialistischen Staaten dem Weltmarktniveau an. Um den steil ansteigenden Energiekosten zu begegnen, unternahm die DDR große Anstrengungen, Ölimporte durch heimische Braunkohle zu substituieren und geeignete Förderungs- und Verarbeitungstechnologien zu entwickeln - Ertrag dieser Anstrengungen waren nicht zuletzt erweiterte Möglich­keiten des Technologieexports; in diesem Rahmen erfolgte etwa der Verkauf von Tagebauausrüstungen an Österreich. b) Der X. Parteitag der SED (1981) beschloss ein ambitioniertes Zehn-Punkte- Programm der technologischen Modernisierung und Intensivierung; oberste Priorität war, neben der Substitution von Ölimporten, die Entwicklung der Elektronik. Die Grundsatzentscheidung für eine energische Modernisierung und technische Aufrüstung der kränkelnden zentraladministrativen Planwirtschaft eröffneten auch der Kooperation auf dem Gebiet in der Außenwirtschaft neue Chancen. Folge der Intensivierungspolitik waren bedeutende Wachstumsraten im Handel der DDR nicht nur mit den entwickelten „kapitalistischen“ Staaten Frankreich, Italien, Schweden, Japan und der Bundesrepublik. Auch die Kooperation mit Österreich auf verschiedenen Feldern der Hochtechnologie wie etwa der Robotertechnik, der Automatisierung, der Gentechnik und des Recycling wurde nun erweitert. Auf den dritten Technischen Tagen der DDR 1983 stellte Österreich Bio- und Computertechnik aus; 1985 zeigte die Innsbrucker Messe Produkte der ostdeutschen Präzisionsmaschinen- sowie der Lebensmittel­verarbeitungsmaschinenindustrie. Die Messe diente seit 1982 als Katalysator für die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen mit Österreichs westlichen Bundesländern und als Begegnungsstätte zwischen der DDR-Wirtschaft und vor allem kleinen und mittleren österreichischen Firmen. 179

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