Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Roman Stolzlechner: Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit der DDR und die Bedeutung der KPÖ-Firmen

innerdeutschen Handel (mit der BRD) einbezieht. Der Handel mit dem Westen machte 1987 27 Prozent des Außenhandels der DDR aus. Umgekehrt betrug der Anteil des Osthandels am Außenhandel im Fall der BRD und Österreichs fünf Prozent bzw. 7,8 Prozent. Die österreichischen Ostimporte schrumpften 1986 dem Wert nach um 26 Prozent (aus der DDR nur um 9,3 Prozent), vor allem, weil die importierten Güter um 28 Prozent billiger wurden. Real nahmen die Importe um 2,8 Prozent zu. Der Anteil des Ostens an der Einfuhr fiel von 10,7 auf 8,3 Prozent; das entspricht etwa dem Anteil in den Jahren 1972-1973. Die Warenstruktur des Handels mit Österreich war zwar für die DDR nicht so ungünstig, wie die der meisten anderen Oststaaten, es wurden auch Fertigwaren und Maschinen nach Österreich exportiert, dennoch zeigte sich auch hier immer mehr ein Gefalle: Österreich exportierte weit mehr hochwertige Industriewaren in die DDR als vice versa. Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit der DDR und die Bedeutung der RPÖ-Firmen Wesentlicher für die goldenen Jahre des österreichischen DDR-Außenhandel als die KPÖ-Firmen und KPÖ-Treuhänder waren zweifelsohne einerseits die Verschlechterung der innerdeutschen Beziehungen und das Bestreben Österreichs private und verstaatlichte Betriebe durch die öffentliche Hand und verbesserte politische Beziehungen zu Ostblockländern zu fördern. Ende der 80er Jahre war jedoch auch der Anteil Österreichs an der Verschuldung der DDR mit 19,3 Prozent sehr hoch.14 Es spricht daher einiges dafür, dass Österreich so manchen Auftrag in der DDR wohl im Austausch mit Krediten erhielt. Aus heutiger Sicht scheint es durchaus möglich, dass die KPÖ-Firmen unter politisch günstigen Bedingungen zumindest einen kleinen Beitrag zur kurzfristigen Intensivierung des Handelsaustausches zwischen der DDR und Österreich lieferten. Doch müssten, um diese Frage zufrieden stellend zu klären, die Entscheidungsprozesse der wichtigsten Aufträge und Handelsabkommen genauer rekonstruiert werden. Die Gefahr der Abhängigkeit und Erpressbarkeit vom Osten von der Peter Saager noch in den frühen 60er Jahren sprach, hat sicherlich nie bestanden. Ebenso fehl am Platz ist aber sicher auch das idealistisch-patriotische Mäntelchen, das sich die KPÖ gerne auch heute noch umhängt. Zur glaubhaften Aufarbeitung ihrer Geschichte gehört nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Stalinismus, sondern auch die nüchterne Analyse der materiellen Grundlagen und Interessen der Partei abseits von idealistischen Parteiprogrammen. 14 Starker Rückschlag im Ost-West-Handel. In: WIFO Monatsberichte Nr. 3, 1987. 163

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