Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Roman Stolzlechner: Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit der DDR und die Bedeutung der KPÖ-Firmen

Roman Stolzlechner 1979-1986 kann man als die goldene Zeit des österreichischen DDR- Außenhandels bezeichnen. Seit 1979 entwickelten sich die Exporte in die DDR plötzlich sehr gut. 1983 stieg der Export um 76,8 Prozent. Mit einem Anteil von 2,3 Prozent wurde die DDR zum wichtigsten Exportmarkt in Osteuropa, eine Position, die zuvor Polen innehatte - eine erstaunliche Entwicklung. Auch die Einfuhren aus der DDR stiegen seit 1979 beträchtlich.1' Die Nahrungsmittelimporte verdreifachten sich von 1981 auf 1982, was vor allem auf den Anstieg bei Lebendvieh um 354 Prozent zurückzuführen ist. Die Export- bzw. Importzuwachsraten in die DDR betrugen 1981 12,9 Prozent bzw. 21 Prozent, trotz der größeren Exportzuwachsraten hatte Österreich 1981 immer noch ein Handelsbilanzaktivum von 767 Mill. ÖS aufzuweisen. Der DDR-Anteil am gesamten österreichischen Export- bzw. Import war 1981 1,3 Prozent bzw. 0,7 Prozent. Rund die Hälfte der von der DDR erteilten Aufträge entfiel auf die verstaatlichte Industrie Österreichs. Somit unterscheidet sich die Auftragsstruktur der DDR- Exporte z. B. wesentlich von jener Ungarns, wo der Anteil der verstaatlichten Industrie an den gemeldeten Aufträgen (1975-1986) bei sechs Prozent lag. Nach Schätzungen dürfte der Exportanteil der verstaatlichten Industrie an den gesamtösterreichischen Exporten in die DDR 1982-1984 zwischen 65 und 85 Prozent betragen haben. Der meistgenannte österreichische Partner ist im Fall der DDR zweifellos die VOEST-Alpine AG, die rund ein Drittel der 77 publizierten Projekte auf sich vereinigte. 1985 und 1986 entfiel V* der 12 veröffentlichten Vorhaben auf die VA, die auch den wertmäßig größten Auftrag (ca. 1 Mrd. S.), die Modernisierung des Ölefinkomplexes Böhlen, für sich verbuchen konnte. Die Zusammenarbeit der DDR und der VOEST erfolgte mittels langfristiger Kooperationsabkommen mit vorher vereinbarten Warenaustauschvolumina. Einen hohen Anteil in den Wirtschaftsbeziehungen mit der DDR weisen die Lieferungen des Maschinen- und Stahlbausektors auf, der von 1975-1986 zwischen 70 und 80 Prozent lag.9 10 Dieser geradezu explosive Anstieg des Handelsaustausches lässt sich nur schwer mit allein ökonomischen Faktoren erklären. Einen gewissen Beitrag zur Intensivierung des Westhandels überhaupt und des Handels mit Österreich im Besonderen hat vermutlich die Kommerzielle Koordinierung oder kurz: KoKo. Sie wurde angesichts der chronischen Devisenknappheit in der DDR 1966 im 9 Levcik, Friedrich - Stankovsky, Jan: A Profile of Austria’s East-West Trade in the 1970s and 1980s, Forschungsberichte, hrsg. vom WIIW. Mai 1985, Nr. 82. 10 Vidovic, Hermine: Großaufträge des Ostens an die österreichische Industrie 1975-1986, Forschungsberichte, hrsg. vom WIIW Februar 1988, Nr. 139. 160

Next

/
Oldalképek
Tartalom