Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Maren Seliger: KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989. Rahmenbedingungen und einige Aspekte der Außenhandelspraxis

Abschluss von längerfristigen Verträgen und Generalvertretungen für östliche wie westliche Handelspartner abgesichert wurde.45 KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989 5. Einige Aspekte der Außenhandelspraxis 5.1. Geschäftsfelder Die Geschäfte der KP-Firmen bewegten sich auf den Feldern des traditionellen Ost-West-Handels, d. h. dem Tausch westlicher Industriewaren gegen östliche Roh- und Brennstoffe sowie einfache Fertigwaren. Diese Aussage galt besonders ausgeprägt für den Warenaustausch mit der Sowjetunion, weniger stark mit den übrigen Ländern des Comecon wegen der zum Teil höher entwickelten Industrieregionen, vor allem in der CSSR und der DDR. Die KP-Firmen konzentrierten sich entweder auf ein bestimmtes Land oder auf bestimmte Warengruppen, sie waren in vielen Sparten des Ost-West-Handels tätig, wie dem Import landwirtschaftlicher Produkte, Brennstoffen, Düngemitteln, Druckereimaschinen etc. oder dem Export von Textilien, Schuhen, Erzeugnissen der Eisen- und Stahlindustrie, Maschinen, aber auch Holz etc. Das Schwergewicht lag zunächst auf dem Energiesektor, wo durch Import und Verteilung von Kohle, Briketts, Mineralölprodukten aus verschiedenen Ländern der Energiebedarf von Industrie und Gewerbe, ÖBB, aber auch privater Haushalte befriedigt wurde. Für Kritiker der KPÖ-Wirtschaftstätigkeit ein Ansatzpunkt, die Gefahr des politischen Missbrauchs der als zu einseitig ausgerichteten Energieimporte zu orten.46 Obwohl schon relativ bald in allen Ländern des Ostblocks präsent, waren die „Kommerz- Kommunisten“ bestrebt, neue Märkte zu erschließen. Bereits Mitte der 50er Jahre wurde der Handel mit China aufgenommen. Die Rolle als Vermittler im Ost-West- Handel, als Initiator und Abwickler von Gegengeschäften sollte mit zunehmender Bedeutung des Ost-West-Handels einen noch höheren Stellenwert erhalten. Die Betreuung österreichischer und anderer West-Firmen im Warenaustausch mit dem Osten füllte nicht nur die Kassen, die kommunistischen Manager verstanden sich auch als Pioniere im „Brückenbau“ zwischen Ost und West.47 45 Als Wegbereiter des Ost-West-Handels hatten sich die KPÖ-Firmen durch vertragliche Bindungen einen gewissen Marktanteil gesichert. Informationen aus Gespräch mit Kurt Menasse vom 4.6.2003. Vgl. auch Muzik - Schano: Das Wirtschaftsimperium der KPÖ. S. 72. 46 Vgl. Gredler: Rede 6.12.I961, S. 3 677 f. Wieweit hier indirekt für eine Hinwendung zu westlichen Importen geworben werden sollte, muss offen bleiben. Festzuhalten ist, dass die Energieimporte nach 1945 an die der Vorkriegszeit bzw. der Monarchie anknüpften. 47 Muzik - Schano: Das Wirtschaftsimperium der KPÖ, S. 69-72. Muzik: Die Strohmänner der KPÖ, S. 308. Sager: Getarnte Firmen, S. 9 f. Gredler: Rede 6.12.196I, S. 3 680-3 683. Kogelfranz, Siegfried: Das Sowjetkapital in Österreich, ln: Neue Zeit, Graz, 17.2.1962. M ei s e I : Die Mauer im Kopf, S. 146.

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