Gertrude Enderle-Burcel, Dieter Stiefel, Alice Teichova (Hrsg.): Sonderband 9. „Zarte Bande” – Österreich und die europäischen planwirtschaftlichen Länder / „Delicate Relationships” – Austria and Europe’s Planned Economies (2006)

Maren Seliger: KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989. Rahmenbedingungen und einige Aspekte der Außenhandelspraxis

1. KP-Firmen, die auf Provisionsbasis, nicht auf eigene Rechnung arbeiteten und zwischen import- und exportwilligen Partnern ver­mittelten. 2. Firmen, die Gegengeschäfte organisierten. 3. Firmen, die mit eigenem Kapital Handel betrieben. Bei letzteren handelte es sich in der Regel um solche, an denen Osthandelsländer, aber auch der KPÖ nicht nahe stehende private Gesellschafter beteiligt waren. Wieweit von diesen Geldströme zur KPÖ gingen, wäre noch im Einzelfall zu überprüfen.36 4. Firmen, die als „Provisionsauffanggesellschaften“37 Steuer schonende Funktion ausübten. 4. Zäsur des Jahres 1955 - Ende der Besatzungszeit Das Jahr 1955 stellte in vielfacher Hinsicht eine Zäsur dar. Der Abzug der Besatzungstruppen bedeutete für die KPÖ den Verlust ihrer Schutzmacht, von der allein sie sich eine Stärkung der eigenen Position erhofft hatte. Durch die mit Abschluss des Staatsvertrages einhergehende Übergabe der USIA- Betriebe an den österreichischen Staat hatte die KPÖ nicht nur ein Aktionsfeld verloren, sie wirkte sich auch finanziell nachteilig aus. Außerdem setzte nach 1955 ein Mitglieder- und Wählerschwund ein.3* Zur Absicherung der KPÖ-Interessen im Bereich der Parteifirmen wurden u. a. systematisch Treuhandverträge mit den jeweiligen Geschäftsführern abgeschlossen und der Hauptteil des KP-Vermögens angeblich auf Schweizer Konten deponiert.39 KPÖ-Firmen und Osthandel 1945-1989 Mit dem Ende des USIA-Komplexes war auch das „Loch“ in der Ostgrenze Österreichs geschlossen. „Nun werden wir endlich zu vernünftigen, übersichtlichen und echten Handelsbeziehungen mit den Oststaaten kommen.“40 Durch die bisherigen Grenzzustände sei nicht nur Zoll verloren gegangen, es hätten auch Handelsverträge keinen Sinn gehabt, „weil die Oststaaten doch nur das kaufen So sei die österreichisch-polnische Firma Polcarbon keine Treuhandfirma gewesen. Gespräch mit Oskar Rosenstrauch vom 23.6.2004. 37 Worm: Schuld und Sühne, S. 24. M u z i k : Die Strohmänner der KPÖ, S. 307. 3I< E h m er : Die Kommunistische Partei Österreichs, S. 325. M e i s el : Die Mauer im Kopf, S. 129- 132. 39 M ei sei: Die Mauer im Kopf, S. 145 f. Auch die „Kaderakten“ der KPÖ wurden offenbar nach 1955 außer Landes in Sicherheit gebracht, zunächst nach Ungarn, dann in die Sowjetunion. Vgl. Ebenda, S. 61 f. Zu weitergehenden Maßnahmen der Absicherung von KPÖ-Interessen vgl. Keller, Fritz: Die KPÖ 1945-1955. In: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 1994. hrsg. vom Arbeitsbereich DDR-Geschichte im Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim. Berlin 1994, S. 104-121, hier S. 120 f. 40 Arbeiter-Zeitung, 28.10.1955. 1 17

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