Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

II. Die Wahrnehmungen von Raum / The perceptions of space - Wolfgang König: Mit der Eisenbahn auf den Gipfel des Matterhoms

Mit der Eisenbahn auf den Gipfel des Matterhoms Eisenbahnbau erleichterte die Anreise.4 Seit den 1850er Jahren wurden Linien von Westen und Norden aus, den großen Flüssen Rhone, Aare und Rhein folgend, ins Gebirge vorangetrieben. Erholungsorte im Hochgebirge, wie Davos, Grindelwald und Zermatt, erhielten aber erst um 1890 Eisenbahnanschluss. Unmittelbar danach wurden Bergbahnen zu noch höher gelegenen Zielen gebaut. Sie dienten dem Zugang zu Siedlungen. Und sie führten als Ausflugsstrecken zu markanten Aussichtspunkten. Als Techniken standen die Zahnradbahn und die Standseilbahn zur Verfügung. Sie ergänzten sich eher, als dass sie sich Konkurrenz machten. Die Standseilbahnen eigneten sich für kurze, steile Strecken mit einer relativ gleichmäßigen Hangneigung ohne große Richtungswechsel. Mit Zahnradbahnen ließen sich größere Entfernungen auch in schwierigerem Gelände überwinden; gegebenenfalls griff man auf Rampen, Brücken und Tunnel zurück. In der Zwischenkriegszeit entstanden neue Bahnen, vor allem für den populär werdenden alpinen Skisport. Zahnradbahnen kamen auf Grund der hohen Kosten nicht mehr in Betracht. In scharfem Konkurrenzkampf befanden sich die beiden Technologien der Standseilbahnen und der Luftseilbahnen. Die Luftseilbahnen wurden in den 1920er Jahren wettbewerbsfähig. Aber auch die Standseilbahnen erfuhren technische Verbesserungen. So baute man in den 1930er Jahren Standseilbahnen mit zahlreichen Kurven und Gefällsbrüchen. Teils als Konkurrenz, teils als Ergänzung ließen Skiorte Schlittenseilbahnen und Schlepplifte errichten. Der Heimatschutz: Für die Erhaltung der Schweizematur Die Hochindustrialisierung bewirkte in den europäischen Ländern in den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende zahlreiche Veränderungen. Die Bedeutung der Landwirtschaft ging zurück. Die Dörfer und das ländliche Leben litten unter Abwanderung und zunehmenden Außeneinflüssen. Der Prozess der Urbanisierung erreichte seinen ersten Höhepunkt. Die Bevölkerungszahlen der Städte stiegen rapide an. In den städtischen Agglomerationen bildeten sich Verwaltungs- und Dienstleistungszentren heraus. Deren Erreichbarkeit wurde durch die Anlage von möglichst geradlinig verlaufenden Verkehrswegen erleichtert. Teile der alten Kemstädte, mit ihren Gassen, Mauern und Wällen, fielen der Neuordnung des städtischen Raums zum Opfer. Die Expansion von Wirtschaft und Industrie sowie die 4 Thiessing, René (Red): Ein Jahrhundert Schweizer Bahnen 1847-1947. Jubiläumswerk des Eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartementes. Unter Mitwirkung der schweizerischen Eisenbahnen und in Zusammenarbeit mit zahlreichen Fachleuten hrsg. vom Eidgenössischen Amt für Verkehr. 5 Bde., Frauenfeld 1947-1964. 75

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