Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)
IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Barbara Schmucki: Schienengebundene urbane Transportsysteme und Geschlechterverhältnisse
Barbara Schmucki Die Machthaber des Dritten Reichs im 2. Weltkrieg sorgten für eine wesentlich kleidsamere Uniform! Köngisblaue Jäckchen auf Taille gearbeitet und eine ebensolche kleine Schifferlmütze, die flott wie ein Hütchen auf der Frisur sitzen konnte, machten hübsche Figuren und entlockten den Musikern sogar Schlager!’4 Verschiedene Stile der Dienstkleidungen von Frauen und Männern versah Frauen mit einem anderen Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit als Männer. Das belegen auch die neuen Uniformen der 1970er Jahre: Frauen erhielten mit den ,modischen’ kurzen Röcken viel weniger respekteinflössende Uniformen, als ihre männlichen Kollegen. All diese Kriterien machte das Fahren für Frauen weniger attraktiv als für Männer. Und schließlich scheiterte ihre Einstellung, wenn sie sich denn trotzdem zum Fahrberuf entschlossen hatten, an den fehlenden Damentoiletten an den Endstationen.” Die Planung von schienengebundenen Transportsystemen Im letzten Teil meines Beitrages möchte ich kurz auf die geschlechtsdifferenzierte Ausgestaltung der Verkehrsplanung eingehen und aufzeigen, welchen Einfluss diese besondere Struktur auf die Ausgestaltung der Schienenverkehrssysteme hatte. Eine Untersuchung in Verkehrsuntemehmen, Verkehrs Wissenschaft, Verkehrsbehörden, Verbänden, Vereinigungen und Körperschaften hatte noch Ende der 1980er Jahre ergeben, dass lediglich 1,3 % aller Führungspositionen von Frauen besetzt waren.'6 Frauen waren über den ganzen Untersuchungszeitraum stark unterrepräsentiert - und sie sind das heute immer noch. Verkehrsplanung, welche sich seit den 1920er Jahren professionalisierte und in den 1950er Jahren etablierte ’7, wurde ausschließlich von Männern betrieben, die bis in den 1950er nicht auf die Idee kamen, die Belange von Frauen oder Männern nur andeutungsweise gesondert zu berücksichtigen. Planung befasste sich in dieser Zeit ausschließlich mit Straßenkapazitäten, Erweiterung von Verkehrssystemen, Vergrößerung der Straßenfläche und Sicherstellung des Verkehrsflusses. Fahrgäste, Autofahrer und Autofahrerinnen, Fahrradfahrer und -fahrerinnen oder Fußgängerinnen und Fußgänger waren nichts weiter als asexuelle statistische Zahlen, 14 * 16 17 14 Mattiesen, Heinz: Geschichte der Tarife, Fahrscheine und Uniformen. In: 100 Jahre Münchner Straßenbahn 1876-1976. Vom Groschenwagen zur Untergrundbahn. München 1976, S. 285. Bilderder Uniformen sind auf den Seiten 434, 436, 438 im gleichen Buch zu finden. ” Z. B. in Augsburg. Vgl. Augsburger Allgemeine (1. Juli 1981). ln: Archiv Freunde Münchner Trambahn Museum e.V., München. 16 Lichtenthäler, Ulrike -Clement, Irina: Frauen als Verkehrsplaner(innen). ln: Raumplanung 39 (1987), S. 185-187. 17 Dazu mehr in: Schmucki, Barbara: Cities as Traffic Machines: Urban Transport Planning in East and West Germany In: Suburbanising the Masses: Public Transport and Urban Development in Historical Perspective, hrsg. von Colin Divall, Winstan Bond. Aldershot 2003, S. 149-170. 344