Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

I. Für eine Kulturgeschichte der Eisenbahn / Towards a cultural history of railways - Günter Dinhobl: Eisenbahn / Kultur - Für eine Kulturwissenschaft der Technik

Günter Dinhobl exogene Größe.“"’ Formulierungen in anderen Publikationen wie „Technologie [überspringt] jede kulturelle und historische Kluft“" oder „die moderne Technik breitet sich schier unaufhaltsam über die ganze Erde aus“10 11 12 * zielen in eine ähnliche Richtung: Nicht nur, dass Technik bzw. Technologie als [kulturell und historisch] unabhängig und selbstbestimmt [ausbreitend] imaginiert wird, die Geschichte der Technologie wird darüber hinaus als eindimensionale Fortschrittsgeschichte propagiert - bei gleichzeitiger unreflektierter Weiterführung von imperialen, kolonialen und nationalen Diskursen. In der „These von der Wertneutralität der Technik“ sieht der Technikforscher Günter Ropohl alle Züge der Ideologie: Es ist eine Behauptung, die sich weder mit technischtheoretischen Überlegungen noch mit industriellen Praxiserfahrungen vereinbaren lässt, und es ist ein Rechtfertigungsversuch, die Verantwortung für die Folgen des eigenen Handelns abzuweisen." So setzt sich seit den letzten Jahrzehnten vermehrt die Einsicht durch, dass Technik respektive Technologie Gesellschaften und Kulturen ebenso beeinflusst wie Gesellschaften und Kulturen den Umgang mit - als auch die Ausformungen von - Technik respektive Technologie prägen.14 Im Englischen gibt es eine dreifache begriffliche Unterscheidung: während technics die Artefakte bezeichnet und technique die Verfahren und Methoden von technics charakterisiert, so wird unter technology das gesamte, komplexe organisatorische System verstanden. Dieser Dreiteilung folgt beispielsweise auch der Technikforscher Wiebe E. Bijker, wenn er technology> in drei Dimensionen unterteilt: technology umfasse sowohl die physischen Artefakte, als auch die menschlichen Tätigkeiten (human activities) sowie die dafür erforderlichen Kenntnisse (knowledge), wobei er 10 Osietzky, Maria: Für eine neue Technikgeschichte. In: Österreichische Zeitschrift tür Geschichtswissenschaften 3 (1992), S. 293-318, hier S. 308. 11 Bainmé, Amo - Berger, Wilhelm - Kotzmann, Emst: Technologie: Die Logik der Gesellschaft, ln: Technik gestalten, h rs g . von Wächter, Christine u. a. München-Wien 1998, S. 13-22, hier S. 14. 12 Rapp, Friedrich: Die technische Weltzivilisation. In: Technik und Kultur: Technik und Philosophie, hrsg. von Georg-Agricola-Gesellschaft. Düsseldorf 1990, S. 298-314, hier S. 298. 15 Ropohl, Günter: Technisches Problemlosen und soziales Umfeld. In: Technik und Kultur: Technik und Philosophie, hrsg. von Georg-Agricola-Gesellschaft. Düsseldorf 1990, S. 111-167, hier: S. 154. 14 Lackner - Luxbacher: Technikgeschichte 1992, S. 280; vgl. auch der jüngst erschienene Überblick: Hard, Mikael: Zur Kulturgeschichte der Naturwissenschaft, Technik und Medizin. Eine internationale Literaturübersicht, ln: Technikgeschichte Bd. 70 (2003), H. I, S. 23-45. 32

Next

/
Oldalképek
Tartalom