Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Rainer Leitner: Eisenbahn-Maschinenfabriken: Orte des Technologietransfers im 19. Jahrhundert

Rainer Leitner 4.4. Der Nahverkehrsboom der Neunzigerjahre - die weltweit ersten elektrischen Stadtbahnen in Prag und Baden Es waren die Nahverkehrsbahnen, welchen die Entwicklung der elektrischen Eisen­bahnen im ausgehenden 19. Jahrhundert galt. Pferdebahnen waren außer Stande, die enorm angestiegenen Bevölkerungsmassen zu transportieren, ihre Aufgaben hatte die Dampftramway übernommen. Da der Grad der Luftverschmutzung insbesondere in den urbanen Ballungszentrum ein nahezu unerträgliches Ausmaß erreicht hatte, suchte man in erster Linie für den Dampf-Nahverkehr nach Alternativen. Primär bot sich für dafür die Gleichstromtechnik an und die Jahre bis zur Jahrhundertwende waren denn auch geprägt von der Entwicklung und Verbreitung jener. Der Ingenieur Franz Krzik (1847-1941) hatte schon am 11. Mai 1891 vom Handels­ministerium die vorläufige Bewilligung zu Bau und Betrieb einer elektrischen Bahn, die von der Prager Belvedere-Anhöhe bis zum Tiergarten Bubenc führen sollte, erhal­ten. Am 2. Februar 1893 wurde ihm die definitive Konzession für diese Linie sowie deren Weiterführung bis zum Schloss Bubenc erteilt. Die Streckenlänge betrug insge­samt 1,5 Kilometer, die Stromversorgung vollzogen zwei Generatoren von je 48 Kilo­watt Leistung. 4.5. Egger, Stern und Hafferl: Die Elektrische Lokalbahn Gmunden Der 13. August 1894 war der Tag der Eröffnung der Gmundner Bahn, einer meter- spurigen elektrischen Lokalbahn. Wiederum fehlte einem bedeutenden Kurort die leis­tungsfähige, etwa 2 Kilometer lange Anbindung an eine Eisenbahnstation.'2 Mit einer Steigung bis zu 94 Promille - „[...] größer, als man bisher in Österreich-Ungarn bei Adhäsionsbahnen gewohnt war, ja überhaupt für möglich hielt“” zählte sie zu ihrer Zeit zu den interessantesten Verkehrsmitteln. Da der Dampfbetrieb ein Zahnradsystem be­nötigt hätte, traten die Bauunternehmer und Ingenieure Stern & Hafferl mit diversen elektrotechnischen Firmen in Verhandlung. Nachdem die Konzession erteilt worden war, übertrugen sie den Bau des elektrotechnischen Teiles der Wiener Unternehmung Béla Egger, während sie den Unterbau in Eigenregie errichteten. Eine deutliche Ab­sicht lag auch im Umstand, „[...] das herrschende Vorurteil gegen das System der ober­irdischen Zuleitung aufzuheben“ und darzulegen, * 33 '2 Die elektrische Lokalbahn G m u n d e n In: Zeitschrift für Elektrotechnik ( 18%), S. 672- 692, hier S. 676. 33 Ebenda. 298

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