Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

IV. Die Eisenbahn-Technik / Railway-technics - Rainer Leitner: Eisenbahn-Maschinenfabriken: Orte des Technologietransfers im 19. Jahrhundert

Rainer Leitner 1853 mit dem Bau einer Paraileltrasse Gloggnitz-Wien beauftragt worden war - massiv auf Verstaatlichung. In Österreich wurde mehrmals verstaatlicht und wieder privatisiert,8 bis schließlich neben den Staatsbahnen die wahrscheinlich wichtigste Bahnstrecke Österreichs über­haupt in Privatbesitz verblieb, nämlich die Südbahn. Die Südbahngesellschaft sollte bis zum Zerfall Österreich-Ungams die größte Privatuntemehmung dieses Staates bleiben. Auch die wichtige Kaiser Ferdinands-Nordbahn blieb bis zur Jahrhundertwende in privatem Besitz. Das Eisenbahnwesen Österreich-Ungarns stellte in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts ein höchst leistungsfähiges und in mehrfacher Hinsicht „modernes“ System dar, dem gegenüber beispielsweise die Länderbahnen Deutschlands deutlich ins Hinter­treffen geraten waren. Im Gegensatz zum Deutschen Reich bildeten in der Donaumonarchie „Einheitsloko­motiven“ bereits seit geraumer Zeit den technischen Standard. Zurückzuführen ist dies wohl auf die Tatsache, dass nach der Phase der Privatbahnen der Staat in zentralisti­scher Manier die Aufsicht über Planung und Entwicklung des Eisenbahnwesens über­nahm und so eine entscheidende Weichenstellung zu oben erwähnter „Vereinheitli­chung“ und damit hin zum modernen System vollzog. Das zentrale Konstruktionsbu­reau der k. k. Staatsbahnen (ab 1867) bzw. das Eisenbahnministerium (ab 1896)9 gab strikte Normen vor, die für alle Bereiche Geltung hatten und insbesondere auch Loko- motivkonstruktion und Werkstättenausstattung betraf. Dem Zentralismus österreichi­scher Tradition entsprechend ging hier die technische Entwicklung in weitaus größe­rem Maße als in Deutschland von Persönlichkeiten aus, die Schlüsselpositionen in einer Zentralstelle einnahmen - sei es als oberste Beamte der zentralen Entwicklung im Kon­struktionsbureau bzw. Ministerium oder als erfahrene Betriebspraktiker. Die kreativen Ideen wurden hier zu Lande gleichsam per staatlicher Verordnung von allen nennens­werten Lokomotivbauanstalten des Landes umgesetzt. Das gewaltige Streckennetz des Habsburgerstaates kannte hier keine Unterschiede, von Triest bis Galizien fuhren die 8 Siehe St rach, Hermann: Eisenbahnen mit Dampfbetrieb. In: Geschichte der Eisenbahnen der Öster­reichisch-Ungarischen Monarchie. Bd. I/1. Wien-Teschen-Leipzig 1898, S. 129-132; Ebenda: Die ersten Privatbahnen, S. 132-216; Die ersten Staatsbahnen, S. 216-321; Verkauf der Staatsbahnen, S. 321-350; Die Privatbahnen bis zum Jahr 1867, S. 350-353. 9 Bis zur Reform der Eisenbahnorganisation 1896 war diese Fachabteilung der 3. Abteilung für Ver­kehrs- und Maschinendienst (einschließlich des Zugforderungs- und Werkstättendienstes) eingeglie­dert. Nach der Auflösung der Generaldirektion der k. k. Staatsbahnen und der Einrichtung des k. k. Ei­senbahnministeriums übernahm das 23. Departement/Sektion IV des neuen Ministeriums diese Funkti­onen. 286

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