Günter Dinhobl (Hrsg.): Sonderband 7. Eisenbahn/Kultur – Railway/Culture (2004)

II. Die Wahrnehmungen von Raum / The perceptions of space - Peter Wilding: „…dass wir auf der Bahn des Fortschrittes und der Culturentwicklung gerade und vornehmlich durch die Eisenbahnen ganz ungeheuer rasch vorangeschritten sind…“ - Netzwerk Eisenbahn und Knotenpunkt Stadt

bedeuteten Straßenbahnen nur die halbe Lösung. Um den Konflikt mit dem Straßenverkehr zu vermeiden und die großen räumlichen Entfernungen zu überwinden, benötigten die Großstädte Schnellbahnen. Diese entstanden in den amerikanischen Großstädten, vor allem in Chicago und New York, und wurden um 1900 in London, Paris und Budapest konzeptuell zu Untergrundbahnen weiterentwickelt. Aus diesen Anfängen entstanden unsere heutigen U- und S-Bahnen, die jedoch erst im 20. Jahrhundert systematisch zu einem Massenverkehrsmittel im Großstadtverkehr ausgebaut wurden.54 Außerdem erhielten die ursprünglich dampfbetriebenen U-Bahnen und Hochbahnen erst breite Zustimmung, als sie seit den 1890er Jahren elektrifiziert wurden. Also erst die Möglichkeit des elektrischen Betriebs machte aus der U-Bahn ein verkehrstechnisches Kennzeichen der Metropolen.55 Auch die Eisenbahnen spielten im engen Beziehungsgeflecht zwischen öffentlichem Verkehr und räumlichem Wachstum der Städte im 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle und entwickelten sich in den Großstädten mit der Betriebsaufnahme von Stadtbahnlinien und ihres funktionsfähigen lokalen und regionalen Netzes zu einem wichtigen Bestandteil des neuen Nahverkehrssystems.5'’ ln den Städten wurde somit wurde der Umbau der Eisenbahn vom Dampf- zum elektrischen Antrieb vorbereitet.57 58 In vielen Ländern hatte man bereits vor der Jahrhundertwende Überlegungen angestellt, auch Fernstrecken der Dampfeisenbahnen zu elektrifizieren und damit die Dampfeisenbahn zu ersetzen. Eine Elektrifizierung in großem Stil setzte jedoch erst vor und nach dem Zweiten Weltkrieg ein.5* Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bedeutung des Nahverkehrs für die werdenden Großstädte eine mehrfache war: er ermöglichte das Wachstum nach außen, . . .dass wir auf der Bahn des Fortschrittes und der Culturentwicklung... 54 R o t h : Vom Adler zum ICE. 55 König, Weber: Netzwerke Stahl und Strom, S. 346-348. Eine städtische Schnellverkehrslinie wie die Wiener Stadtbahn wurde zu einer Zeit, als in Paris, Berlin oder New York bereits elektrifizierte Untergrund- und Schnellbahnen verkehren, noch als Dampfbahn konzipiert. Gleichzeitig wird u a die erste U-Bahn des Kontinents in Budapest gebaut (1896 eröffnet). „Die spektakuläre Dampfeisenbahn, die ihre pfauchenden Schadstoffe da mitten im Stadtgebiet ablud, wurde kein kommerzieller Erfolg.“ Trum 1er, Gerhard - Wagner, Christoph: Stationen der Erinnerung. Kultur und Geschichte in Österreichs alten Bahnhöfen. Wien 1986, S. 133. 56 Mohrmann: Stadterfahrung und Mentalität. Für das Wiener Eisenbahnnetz vgl. Kurz, Emst: Die städtebauliche Entwicklung der Stadt Wien in Beziehung zum Verkehr. Wien 1980 (Beiträge zur Stadtforschung, Stadtentwicklung und Stadtgestaltung). 57 R o t h : Vom Adler zum ICE. 58 Schmidt, Georg - Lindenbaum, Hans - Staudacher, Peter: Bewegung und Beharrung. Transport- und Transportsysteme in Österreich 1918-1938: Eisenbahn, Automobil, Tramway. Wien- Köln-Weimar 1994, S. 48-52. 205

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