Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Neue Erkenntnisse bei der Beobachtung Anderer Kontingente: Die Tätigkeit des Hauptmanns Carl Wójcik
Georg Lehner - Monika Lehner Die englischen Truppen, welche zum überwiegenden Theile aus Indem bestehen, wurden zumeist mit Mehl genährt; sie erhielten davon per Kopf tä[g]lich 700g mit einer Zugabe von 75 g Fett und zuweilen etwas Gemüse. Fleisch bekamen die Inder nur zweimal in der Woche und zwar zu je 300 g. Getränke wurden nicht verabfolgt. Die amerikanischen Detachements hatten aus der Heimat so reichliche Vorräte mitgebracht, dass sie jetzt, d. i. nach 7 Monaten noch nicht aufgezehrt sind. In China wurde nur frisches Fleisch und Gemüse beschafft. An Stelle von Fleisch wurde oft Fisch verabreicht. Bmerkenswerth bei den Amerikanern sind die grossen Fleischportionen (täglich 750 g) dagegen gar keine Spirituosen. Als Getränk wurde nur Thee oder Kafee [sic!] verabreicht. 41 Die Japaner hatten im Herbst 1900 Vorräte fur 3 Monate gelandet und diese bis zum Winter auf 6 Monate ergänzt, wovon der Großteil im Etappenmagazin in Tanggu deponiert war. Nebst diesen Vorräthen verfügten die Japaner noch über grosse Mengen von Reis, welche sie in den Speichern von Tientsin und Peking mit Beschlag belegt hatten. Genaue Daten über die Quantität dieser Vorräthe waren nicht zu ermitteln. Das Eigenthümliche an der Verpflegung der Japaner ist der Umstand, dass zur Verpflegung kein Brot gehört. An Stelle des Brotes wird nur Reis verabfolgt, der entweder enthülst oder auch gedörrt und geschrotet oder zu kleinen Kuchen verbacken wird. Neben frischem Fleisch oder Conservenfleisch wird Fisch in gedörrtem Zustande oder als stark gewürzte Conserve gegeben. Abwechselnd mit frischem Gemüse wird eingemachtes Gemüse verabfolgt. Von gedörrtem Gemüse kommen nur Pilze in Betracht. An Getränken wird täglich 1/10 Liter Reiswein verabreicht. Zur Nahrung gehört noch täglich eine getrocknete Wurzel, welche zum Würz[en] in der Suppe verwendet wird, dann Thee.23 Besondere Aufmerksamkeit erweckte eine Neuerung in der Verpflegung der deutschen Truppen: der „Eierzwieback“. Dieser „besteht aus Tabletten von circa 2x2,5 cm Seitenlänge und 3/4 cm Dicke, ist sehr nahrhaft und schmackhaft und hat gegenüber dem grossen Tafelzwieback überdies noch den Vortheil, dass er infolge seiner geringen Grösse nicht wie letzterer vor dem Geniessen gebrochen werden muss, wodurch gewöhnlich ein Theil zerbröckelt wird und ganz verloren geht. Der Eierzwieback wird in Säckchen zu je 250 g oder 500 g verpackt. 500 g gehören zu einer Tagesportion. Auf den [sic!] Transport verträgt der Eierzwieback besser als der Tafelzwieback. Die grössere Nahrhaftigkeit und Schmackhaftigkeit des Eierzwiebacks wird durch die Beimischung von Eidotter erzielt. Die Vorzüge des Eierzwiebackes gegenüber dem Tafelzwieback waren gelegentlich der Expeditionen und dgl. in ganz ausgesprochener Weise erkennbar und wurden auch allgemein hervorgehoben.2345 Besonders positiv bewertet wurden auch Erbsen- und Linsen-Konserven für die Suppe. „Diese Conserven sind ebenso nahrhaft als schmackhaft und übertreffen in dieser Beziehung die Suppen-Conserven der andern Contingente.“2346 2343 2344 2345 2346 KA, MS/OK 1901-X-14/2, No. 1 395, fol. 154', „Einsichtsstück des RKM Präs. 3 356 b, Bericht des Hauptmannes Wojcik über die Verpflegung der verschiedenen Truppencontingente in China [ohne Ort, ohne Datum]“. Ebenda. Ebenda. Ebenda. 601