Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Neue Erkenntnisse bei der Beobachtung Anderer Kontingente: Die Tätigkeit des Hauptmanns Carl Wójcik

Georg Lehner - Monika Lehner Uebermacht soll er ausnützen und auch die Minderzahl zu benützen verstehen. Gegen die Soldaten soll er ebenso freundlich sein, wie gegen die [sic!]. Alle Umstände, vorhergesehene und unvorhergesehene soll er verwerthen können; Der Zustimmung seines Herrschers zu Allem, was er anordnet, muss er sicher sein. Besitzt er diese Eigenschaften, kann er immer auf den Sieg rechnen. Für den Unterhalt der Truppen muss dadurch gesorgt sein, dass der Feldherr selbst in alle Details der Verpflegung eingeht. Rechnung und Wage soll er im Kopfe haben und wissen, was Mann und Pferd verbrauchen, wo es zu beschaffen und auf welchen Wegen es herbeizuschaffen ist. Die anzuwendenden Mittel sind offene und geheime: gewaltsame, plötzlich auszuführende und listige, lange Vorbereitungen erfordernde, ein Fluss untergräbt langsam seine Ufer, bis sie plötzlich einstürzen und ein Vogel bricht die Kette, die ihn zurückhält, nachdem er lange an ihr gezogen. Ein guter Feldherr soll nicht allein die Bewegungen seiner Truppen zu leiten verstehen, er soll auch im Stande sein, dem Feinde die seinen vorzuschreiben, namentlich indem er ihm scheinbar Vortheile zu ergreifen gewährt, von denen er Besitz nimmt und die ihn in die Hände des Gegners liefern. Der Lagerplatz ist mit Sorgfalt zu wählen, ebenso der Platz wo geschlagen werden soll: ein guter Feldherr lässt sich nie die Schlacht anbieten, er bietet sie an auf dem Terrain, das er sich ausgesucht und auf das er den Gegner durch geschickte Bewegungen gelockt hat. Einem sich in guter Ordnung sich [siel] zurückziehenden Feind soll man nur mit Vorsicht oder nicht zu weit folgen, eine verschanzte Stellung nicht angreifen. Bist du selbst schwach verschanzt, so verschanze dich, lasse den Feind sich in erfolglosen Angriffen ermüden, schwäche ihn durch rechtzeitige Ausfälle und dann wirf dich auf ihn. Halte deine Truppen zusammen, dass sie sich gegenseitig unterstützen können, begeht der Feind den Fehler, seine Truppen nicht zusammenzuhalten, so wirf dich mit ganzer Macht auf seine zerstreuten Abtheilungen, und schlage sie einzeln. Das ist der Weg um mit einer kleineren Armee gegen einen stärkeren Feind den Sieg zu erringen. Täusche den Feind über dein Angriffsobject, er wird dann seine Kräfte theilen, um sich überall gegen einen Angriff zu schützen, dann wirf dich mit deiner gesammten Macht auf einen Punkt seiner Stellung. Ein erster Erfolg wird dir so sicher sein, und es ist schwer sich von den Folgen einer Niederlage zu erholen. Berechne deine Bewegungen auf das genaueste, dass du den Feind zu der vorherbestimmten Stunde antriffst und ihn angreifen kannst; versuche ihne [sic!] von seinen Reserven abzuschneiden und zu verhindern, dass ein Flügel nicht dem anderen zu Hilfe komme. Eine zu grosse Armee hat ihre Nachtheile, eine kleine gut disciplinierte Armee unter einem tüchtigen Feldherm ist unbesiegbar, über [sic!] die Minderzahl der Truppen muss durch eine gute Führung ausgeglichen werden. Beobachte aufmerksam die Haltung deiner Truppen. Alles hängt von ihr ab; Zeit und Umstände wirken auf dieselben ein; manche Armee die einen glänzenden Sieg davongetragen hat, würde besiegt worden sein, wenn sie einen Tag früher oder einige Stunden später geschlagen hätte. Für den Angriff ist die Zeit zuwählen, wenn die Truppen des Gegners geschwächt oder ermüdet sein werden. Einem Verzweiflungskampfe weiche aus; wenn sich der geschlagene Gegner auf eine Höhe zurückzieht, so folge ihm nicht. Einem geschlagenen Feinde, der sein Lager verlässt, um sich durchzuschlagen, baue goldene Brücken. In dieser Art setzen sich diese Kriegslehren durch viele Bände fort, wobei ein und dieselben Grundsätze in verschiedenen Variationen mehrmals zur Sprache kommen. Trotzedem [sic!] die Kriegskunst der Chinesen seit dem Alterthum nach und nach herunterkam, so sollen selbe noch im Mittelalter fast ihre volle kriegerische Tüchtigkeit bewahrt haben. Während die Mongolen im 13. Jahrhundert einen Theil des östlichen 597

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