Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die Tätigkeit der K. U. K. Escadre für Ost Asien 1901
Am 23. Januar setzte um Mittag Sturm mit Windstärken zwischen 5 und 7 ein, und von ,,einzelne[n] kleine[n] Schollen“, über „Brei“ bildeten sich bei abflauendem Wind innerhalb von 24 Stunden „dichte Schollen mäßiger Größe“. So wechselten die Verhältnisse fast stündlich zwischen dichten, starken Schollen und Eisfreiheit. Erst am Abend des 29. Januar nahm die Eisbildung plötzlich rasch zu, das Schiff fing am folgenden Tag zu treiben an. Bei Nordost der Stärke 8 verließ das Schiff um 18.20 Uhr den Hafen, arbeitete durch „große sehr dicke Eisfelder“ und erreichte um 20.45 Uhr (bei Windstärke 11 und -20°C Lufttemperatur) eisfreies Fahrwasser.2209 Schwierigkeiten verursachten nicht die (in der ersten Januarhälfte noch relativ milden) Temperaturen, sondern die Strömungs- und Eisverhältnisse: Der Bootsverkehr ist aber trotzdem ein unsicherer, weil die Brandung selbst bei mäßigen Winden das Landen erschwert, an kalten Tagen die Eisbildung ziemlich rasch vor sich geht und die einzelnen Schollen in ganz kurzer Zeit zu großen Feldern vereinigen, welcher Umstand es rathsam macht, die Bootsexpeditionen auf die unumgänglich nothwendige Zeit zu beschränken. An einem Tage lagen solche Felder von beiläufig 500 m2 und 15-20 cm Dicke rund um das Schiff und soweit das Auge reicht.2210 Die Temperaturen hielten sich beständig unter 0 °C und der Wind machte die Kälte empfindlich, sodass LSK Weber von der Stundeneinteilung abgehen2211 und die Beschäftigung den Witterungsverhältnissen anpassen ließ. Auch fand ich es für nothwendig, bei strenger Kälte der Mannschaft jene Erleichterungen zu gewähren, die mit dem Dienste verträglich sind, weil das Deck dieses Schiffes nicht den allergeringsten Schutz bietet. Mit Ausnahme von einzelnen Fällen leichter rheumatischer Affectionen hat das Clima bisher keinen abträglichen Einfluß auf den Gesundheitszustand der Bemannung ausgeübt und ist derselbe ein zufriedenstellender.2212 2213 Mit Rücksicht auf die besonderen Witterungsverhältnisse hatte schon der Escadre-Commando-Tagsbefehl N° 48 vom 13. November 1900221' die Unterweisung der Mannschaft in „Massnahmen zur Verhütung von Erfrierungen und die erste Hilfe beim Vorkommen derselben“. Darin heißt es unter anderem: Die Tätigkeit der k. u. k. Escadre für Ostasien 1901 2209 KA, MS/OK 1901-1V-23/3, No. 560, fol. 27', Commando S.M.S. „Aspern“ an ECiO, Res. No. 8 (Abschrift), Shan-hai-kuan, 16.1.1901, und KA, MS/OK 1901-IV-23/4, No. 639, fol. 42v und 44', Commando S.M.S. „Aspern“ an ECiO, Res. No. 13 (Abschrift), Chefoo, 1.2.1901 [16. Januar bis 30. Januar], 2210 KA, MS/OK 1901-IV-23/3, No. 560, fol. 26', Commando S.M.S. „Aspern“ an ECiO, Res. No. 8 (Abschrift), Shan-hai-kuan, 16.1.1901. 2211 Ein Beispiel bildet das Waschen: „Die Instandhaltung des Schiffes, sowie das Waschen der Hängematten, Wäsche etz. [sic!] ist wesentlich erschwert, da das Wasser, sowie es auf Deck kommt sofort gefriert und nichts trocknen will, bisher konnte das Deck nur einmal gewaschen werden.“ (Ebenda, fol. 26', Commando S.M.S. „Aspern“ an ECiO, Res. No. 8 (Abschrift), Shan-hai-kuan, 16.1.1901). 2212 Ebenda, No. 560, fol. 26', Commando S.M.S. „Aspern“ an ECiO, Res. No. 8 (Abschrift), Shan- hai-kuan, 16.1.1901. 2213 KA, MDT Kart. 1, fol. 46', Escadre-Commando-Tagesbefehl No. 48, Taku-Rhede, 13. November 1900. 563