Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die Tätigkeit der K. U. K. Escadre für Ost Asien 1901

auf das Flaggenschiff überschifft wurden. An diesem Tag dekorierte KA Montecuccoli KK Georg Ritter von Kirchmayr mit dem Militär-Verdienst-Kreuz.2179 Am folgenden Tag begann die planmäßige Fahrt den Changjiang aufwärts bis Hankou. In den Wochen davor waren Gerüchte über Unruhen im Changjiang-Tal in Umlauf gekommen. Diese Gerüchte - einige sprachen sogar von Unruhen unter den Truppen der Vize-Könige von Nanjing und Hunan - entbehrten nach in Shanghai eingeholten Informationen jeglicher Grundlage.2180 Es gab zwar keine Unruhen, doch nahmen die Übergriffe von Räuber- und Schmugglerbanden im Frühsommer wieder zu.2181 Ueberdies sollen in den Yangtse-Provinzen und hauptsächlich in der Gegend von Nanking [Nanjing], eine Menge Reformatoren aufgetreten sein, deren Treiben dem Vice-König Liu kung-yi [Liu Kunyi] unangenehm geworden ist, weshalb er sich derselben durch das kurze Verfahren der Enthauptung entledigte. Da aber die Familien- Rache in China eine grosse Rolle spielt, so fühlt sich Liu-kung-yi [Liu Kunyi] auf einige Zeit hinaus, nicht ganz sicher und gab daher Befehl, die Thore Nankings [Nanjing’s] allabendlich um 9 h zu schliessen. Diesem Umstande ist es wohl auch zuzuschreiben, dass man von ernstlichen Unruhen in Nanking [Nanjing] sprach.2182 Vor dem Antritt der Fahrt hatte KA Montecuccoli in Shanghai und Wusong Erkundigungen eingeholt und erfahren, dass „für alle Eventualitäten“ die deutsche Panzerdivision in Wusong lag, „um auf das erste Aviso, Yangtse [Changjiang] aufwärts zu steuern“ und „in allen grösseren Orten [...] überdies nebst chinesischen auch Kriegsschiffe der alliierten Mächte“ vor Anker lagen.2183 * Der eigentliche Anlass einer (zweiten) Changjiang-Fahrt war nebst dem allgemeinen Interesse, das Stromgebiet dieses mächtigen, vielumstrittenen Flusses, und das erste Handels-Emporium Inner-China’s „Hankow“ [Hankou] kennen zu lernen, hauptsächlich noch der Umstand [...], dass mir im vertraulichen Wege die Nachricht zugekommen war, die k. u. k. Regierung beabsichtigte in der nächsten Zeit ein k. u. k. Consulat in letzterem Orte zu errichten.2 4 Dementsprechend sollte mit dem Erscheinen von drei österreichisch-ungarischen Schiffen ein Prestigegewinn für einen künftigen k. u. k. Konsularvertreter Die Tätigkeit der k. u, k. Escadre für Ostasien 1901 2179 KA, MS/OK 1901-V-5/14, No. 1 587, fol. 105“, ECiO an RKM/MS, Res. No. 541/M, Hankow, 31.5.1901. 2180 KA, MS/OK 1901-XI-2/1, No. 1 588, fol. 284', ECiO an RKM/MS, Res. No. 542/M, Hankow, 1.6.1901. 2181 Dabei kam es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Schmugglerbanden und den Regierungstruppen, über deren Dimension ein Bericht KA Montecuccolis nähren Aufschluß gibt, wonach „bei Xiangyin ein Gefecht zwischen einer grossen Salzschmugglerbande und 300 Mann Regierungstruppen“ stattgefunden hätte, bei dem die Schmuggler „50 Todte, viele Gewehre, Material und Baargeld“ verloren, während die Regierungstruppen „nur 4 Todte und 9 Verwundete“ verloren (Ebenda). 2182 KA, MS/OK 1901-XI-2/1, No. 1 588, fol. 284v, ECiO an RKM/MS, Res. No. 542/M, Hankow, 1.6.1901. 2183 Ebenda, No. 1 588, fol. 284\ ECiO an RKM/MS, Res. No. 542/M, Hankow, 1.6.1901. Die deutsche Panzerdivision wurde Anfang Juni 1901 abgezogen und trat die Heimreise an (Ebenda, No. 1 670, fol. 296v, ECiO an RKM/MS, Res. No. 585, Woosung, 16.6.1901). 2,84 Ebenda, No. 1 588, fol. 284,-285r, ECiO an RKM/MS, Res. No. 542/M, Hankow, 1.6.1901 555

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