Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die Tätigkeit der K. U. K. Escadre für Ost Asien 1901
Georg Lehner - Monika Lehner An das Ende unserer Mission in Siam angelangt, in dem Augenblicke da sowohl ich als S.M.S Zenta im Begriffe stehen nach unseren betreffenden Dienstposten zurückzukehren, drängt es mich Euerer Hochgeboren für die hinsichtlich der Anhersendung des vorgenannten Kriegsschiffes genommenen Initiative und die mir hiedurch zu Theil gewordene gütige Mitwirkung an dem wahrhaft glänzenden Erfolge meiner hiesigen Mission den ergebensten Dank auszusprechen. Ich thue dies mit umso größerer Freude als ich mir bewußt bin, daß dem imposanten, würde- und taktvollen Auftreten des Herrn Commandanten Fregatten Kapitäns Skala sowohl als des gesammten Offizierscorps unseres Kriegsschiffes das Verdienst gebührt, meine Bemühungen, das Ansehen und die Interessen unserer Monarchie hier zur Geltung zu bringen, in erheblichem Maße unterstützt zu haben. Es wird auch Euer Hochgeboren zu großer Befriedigung gereichen, zu erfahren, daß S.M.S. Zenta während seines 3 wöchentlichen Aufenthaltes in Bangkok der Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens wurde und ihm sowohl von Seite des Hofes und der Gesellschaft, als auch der Presse fortwährend Beweise lebhafter Sympathie zugeführt wurden.2154 Die Kreuzung über Chemulpo nach Nagasaki Am 24. April schifften sich KA Montecuccoli und LSK Bless von Sambuchi sowie der Generalstabshauptmann Wöjcik, der die Fahrt nach Nagasaki auf dem Flaggenschiff mitmachen sollte, auf S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“ ein.2155 Während S.M.S. „Aspern“ als Stationsschiff auf der Reede von Dagu zurückblieb, liefen die übrigen Schiffe der Escadre am 25. April aus. Die Schiffe steuerten „mit Rücksicht auf vorzunehmende Scheibenschiessübungen [...] gegen See, um von der Dampferroute Howki-Taku genügend abzukommen.“2156 Während S.M.S. „Kaiserin Elisabeth“ nach Weihaiwei fuhr, führten S.M.S. „Zenta“ und S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“ in der Nacht Schießübungen auf treibende Scheibe sowie gefechtsmässige Schießübungen bei heiterem, ruhigem Wetter planmäßig durch. Nach deren Beendigung liefen die Schiffe in den Hafen von Yantai/Zhifü ein, von wo S.M.S. „Zenta“ am 28. April, S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“ am 29. April nach Weihaiwei weiterführen. Am Nachmittag des 29. April verließen die drei Schiffe Weihaiwei und nahmen nach taktischen Übungen Kurs auf „Bundegi-Island, [die] für die Chemulpo[Inchon]-Anfahrt gewählte Anlaufposition“.2157 Der Nebel, mit dem unter der koreanischen Küste gerechnet worden war, fiel in der Nacht ein und wurde so dicht, dass die Escadre zweimal verankert werden musste.2158 2154 KA, MS/OK 1901-X1-2/1, No. 626, fol. 158r-159v, Ambro an Montecuccoli, Bangkok, 5.2.1901 (=Beilage 9 ad: EciO an RKM/MS, Res. No. 221/v (Missionsbericht 16.2.-6.3.1901), Shanghai, 6.3.1901. 2155 KA, MS/OK 1901-V-5/12, No. 1 374, fol. 91r, ECiO an RKM/MS, Res. No. 434/M, Chemulpo, 30.4.1901. 2156 Ebenda, No. 1 375, fol. 52', ECiO an RKM/MS, Res. No. 438/M, Chemulpo, 1.5.1901. 2157 KA, MS/OK 1901-1V-5/9, No. 1 375, fol. 53', ECiO an RKM/MS, Res. No. 438/M, Chemulpo, 1.5.1901. 2158 Die Schiffe fuhren mit 6 sm Geschwindigkeit unter fortwährendem Loten und erreichten nach Berechnungen um 7.50 Uhr die der Insel Bundegi vorgelagerten Untiefen und ankerten daher bis 10.10 Uhr in 16-18 Faden Tiefe (29,264 m - 32,922 m). Die Fahrt wurde mit geringer 550