Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die Tätigkeit der K. U. K. Escadre für Ost Asien 1901

Georg Lehner - Monika Lehner KA Montecuccoli lobte die Arbeit der japanischen Firmen ausdrücklich: Sowohl die rasche, gute und billige Arbeit, welche die Uraga-Gesellschaft gelegentlich der Dockung S.M. Schiffes „Zenta“ bekundete, als auch die Ausführung des der Firma Peterson Engeneering Co. übertragenen Bootsbaues2094 * geben mir die Ueberzeugung, dass ähnliche Leistungen im k. u. k. See-Arsenale nicht zu erreichen wären, weshalb ich mir erlaube, die Aufmerksamkeit des k. und k. Reichs-Kriegs- Ministeriums auf diesen Umstand zu lenken.21195 Die für den 28. Dezember 1900 geplante Abreise der Escadre verzögerte um einige Stunden2096 und Montecuccoli verhandelte mit dem k. u. k. Gesandten noch über die Beistellung eines Kriegsschiffes nach Bangkok.2097 So verließ S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“ die Reede von Yokohama um 17.00 Uhr, vereinigte sich um 19.30 Uhr in der Haneda-Bucht mit S.M.S. „Zenta“; und beide Schiffe nahmen Kurs auf Kobe. Die Holzbarkasse von S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“ war im Herbst 1900 verloren gegangen, cf. KA, MDT Kart. 1, fol. 46', Escadre-Commando-Tagsbefehl No. 48, Taku-Rhede, 13.11.1900, Art. 3: „Den Marsgast Georg Weidig vom Stande S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia“, der sich als Corvé-Unterofficier aus der ihm anvertrauten Holzbarke entfernte und die Führung des Bootes im Schlepp des Tenders einem Matrosen 4. CI. überließ —, welches Boot späterhin sank — wodurch dem k. u. k. Marine-Aerar ein beträchtlicher Schaden erwachsen ist und Menschenleben gefährdet wurden — diese Umstände aber eventuell hätten verhindert werden können, wenn der Unterofficier die Führung des Bootes beibehalten hätte - bestrafe ich nebst Degradierung zum Matrosen 4. Classe mit dem 4tägigen Dunkelarreste.“ Bis zum Aufenthalt in Japan hatte sich keine Gelegenheit ergeben, Ersatz zu beschaffen. Auf Anfrage empfahl das k. u. k. Konsulat in Yokohama die Firma „Peterson Engeneering Co.“ Nach der der Anfrage beigefugten Konstruktionszeichnung, die anhand des „Lehrbuches fiir den Schiffbau für die k. u. k. Marine- Akademie“, den Maßen aus dem Schiffsgrundbuch und nach der Holzbarkasse von S.M.S. „Aspern“ angefertigt worden war, berechnete die Firma den Preis auf 600 Yen. Ara Tage der Ankunft in Yokohama kam der Vertreter der Peterson Engeneering Co. mit seinem Werkführer an Bord, um sich des Näheren über das zu bauende Boot zu informieren, bei welcher Gelegenheit aber die Herstellungskosten auf 700 Yen augmentiert wurden, da aus der eingesendeten Zeichnung vorher nicht zu ersehen war, dass das Boot ohne Spanten und mit Diagonalplanken zu construiren und im Bug eine eiserne Plattform für das 7cm Bootsgeschütz einzubauen wäre. [...] Der sofort in Angriff genommene Bau, welcher des öfteren in Augenschein genommen wurde, gieng sehr rasch vonstatten und ließ hinsichtlich Solidität und vorschriftsmäßiger Ausführung keinen Wunsch übrig, wennschon anstatt des im k. u. k. See-Arsenale zur Verwendung gelangenden Teakholzes ein anderes in Japan heimisches hartes Holz zur Herstellung der Planken verwendet wurde. Nach Ablauf der festgesetzten Frist von 14 Tagen war das Boot vollkommen fertig und an Bord abgeliefert, was als ein empfehlenswertes Zeugnis für die Leistungsfähigkeit der Firma angesehen werden muss.“ [KA, MS/OK 1901-V-5/4, No. 368, fol. 25', Commando S.M.S. „Kaiserin und Königin Maria Theresia an ECiO, No. 4/m, Inlandsee, 13.1.1901, Beilage ad: ECiO an RKM/MS, Res. No. 474/M, Kobe 31.12.1900], 2095 KA, MS/OK 1901-X-14/7,No. 445, ECiO an RKM/MS, Res. No. 87/M, Mitsu, 17.1.1901. 1196 Montecuccoli wollte ursprünglich um 13.00 Uhr auslaufen und hatte für den Vormittag seinen Abschiedsbesuch beim k. u. k. Gesandten in Tokyo vorgesehen, als er erfuhr, dass sich der Gesandte mit seiner Ehefrau am Nachmittag auf dem Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Prinzess Irene“ nach Bangkok einschiffen wollte. (KA, MS/OK 1901-V-5/4, No. 368, fol. 26', ECiO an RKM/MS, Res. No. 474/M, Kobe 31.12.1900). 2097 Ebenda, No. 368, fol. 24v-25', ECiO an RKM/MS, Res. No. 474/M, Kobe 31.12.1900. 536

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