Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen
Der Hof war über Baoding mit der Eisenbahn bis zur Station Majiapu gekommen2022, die nach Czikanns Angaben etwa eine halbe Stunde außerhalb der Mauern lag. Bei der Station waren gelbe, seidene Zelte aufgestellt worden, und kniend erwarteten Abteilungen der Truppen des Generals Ma Yukun und Abteilungen der Wachen der Stadttore den Herrscher - ebenso wie die Prinzen, die Mitglieder des Thronrates, die Minister und andere Würdenträger.2023 Das letzte Stück des Weges wurde in althergebrachter Weise, in Sänften, umgeben von zahlreichen Mandarinen zu Pferde, in Sänften und Karren durch die südlichen Hauptthore der Chinesen- und der Tartaren Stadt2024 vollzogen. In früherer Zeit waren alle Straßen, die der Kaiser auf seinem Weg benützte, nicht nur strengstens abgesperrt und menschenleer gehalten, sondern auch vollständig mit Matten und Teppichen verkleidet w[o]rden, in welche die begleitenden Palastwachen von Zeit zu Zeit Pfeile abschossen, um auch verborgene Zuseher abzuschrecken.2025 Damit wurde verhindert, dass „Normalsterbliche“ den Kaiser jemals zu Gesicht bekamen. Im Januar 1902 war nun alles anders: die Straßen waren jedoch nur Mandarinen zugänglich und wohl hauptsächlich wegen Aufrechthaltung der Ordnung nur von einem Spalier von Polizei und von Truppen Yüan-shi-kais [Yuan Shikai] mit gepflanztem Bajonnete [sic!] besetzt, welche beim Herannahen des kaiserlichen Zuges niederknieten.2026 2027 Noch bemerkenswerter erschien aber das Bestreben, das Diplomatische Corps einzubeziehen. Li Hongzhang hatte (einige Wochen vor seinem Tode) den damaligen Doyen, Don Bemardo de Cölogan,2,127 und den englischen Gesandten, Sir Emest Satow, mit dem Ersuchen kontaktiert, ob die Vertreter der Mächte den Hof in Majiapu offiziell empfangen könnten. Sir Emest Satow schien diesem Plan Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 2022 KA, MS/OK 1901 -X-14/1 No. 1 031, fol. 105v, Bericht des Hauptmanns Wojcik über die Bahn Peking-Paotingfü, Einsichtsstück des RKM, Präs. 2 279 vom 15.4.1901. An sich hätte man mit der Eisenbahn bis zur neuen Endstation in der Nähe des Qianmen fahren können, die von den Truppen nach der Durchbrechung der äußeren Stadtmauern angelegt worden war. Hauptmann Wöjcik berichtet über die Durchbrechung der Stadtmauer: „Um die Bahn von Paotingfu [Baoding] nach Peking [Beijing] hineinzuführen, musste die westliche Mauer der Chinesenstadt gesprengt werden. In diese circa 10m hohe und circa 12 m dicke Mauer wurde die für die Durchfahrt der Bahn entsprechende circa 8m breite Oeffnung vermittelst einer mit 100 kg Melinit geladenen Mine gesprengt.“ 2023 „La rentrée de la cour à Pékin“. La rentrée de la cour à Pékin. In: La Revue de Paris 9,2 (1902) S. 681. 2024 HHStA, P.A. XXIX/7, Czikann an Gotuchowski, Bericht Nr. 1, Peking, 7.1.1902. Der Zug betrat die Stadt durch das Yongdingmen. 2025 j „ Ebenda. 2026 HHStA, P.A. XXIX/7, Czikann an Gotuchowski, Bericht Nr. 1, Peking, 7.1.1902. Der Zug betrat die Stadt durch das Yongdingmen. 2027 Nach dem Abgang Cölogans war nun der k. u. k. Gesandte Freiherr von Czikann Doyen des Diplomatischen Corps in Beijing. 517