Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen
Die Garnison in Tientsin [Tianjin] könnte aus Truppen aller dabei betheiligten Mächte bestehen, während jeder der übrigen 8 Militärposten immer nur von Truppen einer der Mächte zu besetzen wäre.1888 Die letzte Bemerkung zeigt, wie gespannt die Beziehungen der Verbündeten untereinander waren - tatsächlich waren alle Beteiligten nur noch auf die Durchsetzung und Sicherung „ihrer“ Rechte bedacht und die Zahl der Zwischenfalle häufte sich, und manchmal drohte die Lage zu eskalieren. Artikel 8 - Die Schleifung der Dagu-Forts Im Vorschlag der französischen Regierung werden lediglich die Forts von Dagu erwähnt - als die gefährlichste Stellung, von der aus der Verkehr zwischen Beijing und dem Meer unterbrochen werden könnte. Im Laufe der Diskussion über diesen Punkt wurden mehrere andere Befestigungsanlagen genannt, die den Mächten gefährlich werden könnten - so die Forts von Tianjin, an denen der Vormarsch im Sommer 1900 mehrere Wochen lang aufgehalten worden war. Daher wurde die ursprüngliche Forderung erweitert: „Les forts de Takou [Dagu] et ceux qui pourraient empêcher les libre communications entre Pékin [Beijing] et la mer, seront rasés.“1889 Dieser Kompromiss hielt nur etwas mehr als zwei Wochen - bei der Besprechung des Vorschlags der Redaktionskommission kritisierte der Vertreter der USA, Conger, den Terminus „raser“, seine Regierung bevorzuge den Begriff „démanteler“ und sprach sich dezidiert dafür aus, in dieser Frage Militärexperten zu konsultieren, was einstimmig akzeptiert wurde.1890 Artikel 9 - Das Recht auf militärische Besetzung einiger Punkte In Zusammenhang mit der Schleifung beziehungsweise Demontage der die Verbindung zwischen Beijing und dem Meer bedrohenden Befestigungsanlagen stand die militärische Besetzung der Route zwischen Beijing und dem Meer (Shanhaiguan) (sechster Vorschlag Delcassé’s1891). Dieser Punkt gehörte zu den umstrittensten des gesamten Forderungskatalogs. Zunächst wurde in die Entwürfe nur der Weg nach Tianjin beziehungsweise zu dem der Stadt vorgelagerten Hafen von Dagu einbezogen. Die Reede von Dagu ist jedoch im Winter zumindest drei Monate lang nicht benützbar, weshalb unbedingt ein eisfreier Hafen gehalten werden musste. Der von seinem Außenminister entsprechend instruierte britische Gesandte,1892 schlug Shanhaiguan, Qinhuangdao Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 1888 Ebenda, fol. 316, MdÄ an Krieghammer, No. 195 (Vertraulich), Wien, 12.4.1901. 1889 ACNP, 3e séance, 31.10.1900 [6]; ANCP, 9e séance, 19.11.1900 [25]. 18911 ACNP, 8e séance, 13.11.1900 [22], 1891 Dieser Vorschlag war mit Lord Salisbury abgestimmt: Besetzt werden sollten Tianjin und die wichtigsten Bahnstationen zwischen Beijing und Shanhaiguan. 1892 Lord Salisbury hatte in einem Telegramm eine im Einvernehmen mit der französischen Regierung vorgenommene Modifikation am Vorschlag Delcassé’s mitgeteilt: „Droit pour chaque Puissance d’occuper et fortifier un point accessible de la mer où les Légations puissent, en cas de besoin, trouver un refuge.“ ACNP 3e séance, 31.10.1900 [6]. 493