Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen
Um die Zahlung zu sichern, hatten die Mächte einen bon global gefordert, den die chinesische Regierung am 13. Oktober 1901 dem Doyen des Diplomatischen Corps übergab.1847 Trotzdem war damit die Diskussion noch keineswegs abgeschlossen. Die Verhandlungen über die Zahlungsmodalitäten zogen sich über Jahre und erst am 2. Juli 1905 (!) wurde das „Indemnitätsabkommen“ unterzeichnet.1848 Die Ansprüche Österreich-Ungarns: Zu den Berechnungen der Kosten der Expedition Österreich-Ungams Bei den Verhandlungen der diplomatischen Vertreter in Beijing hatte man sich geeinigt, von China die Gesamtsumme aller Entschädigungen zu fordern, die dann die einzelnen Mächte ohne Einbindung Chinas nach einem bestimmten Schlüssel untereinander aufteilen sollten. Zur Festsetzung der Gesamtsumme sollte zunächst jeder Staat seine eigenen Berechnungen über Kriegskosten und Entschädigungen aufstellen.1849 Während einerseits in Beijing die dort entstandenen Schäden aufgelistet wurden, ging das k. u. k. Reichs-Kriegs-Ministerium „Marine-Section“ daran, die „erwachsenen Auslagen“ zu berechnen: Um für die ziffermäßige Festhaltung dieser Forderung die geeignete Unterlage zu gewinnen, beehrt sich das k. u. k. Minist, d. A. die Marine-Sektion des k. u. k. Reichskriegsministeriums um die gefällige Angabe der Gesamtsumme aller Auslagen zu ersuchen, welche die k. u. k. Kriegsmarine bis zum Ende des J. 1900 oder falls hierfür die Daten noch nicht vollständig zur Verfügung stehen sollten, wenigstens bis zum 1. Dez. 1900 in Folge ihrer Beteiligung an der durch die Ereignisse in China hervorgerufenen Aktion der Mächte zu bestreiten hatte. Da diese Aktion aber gegenwärtig noch nicht abgeschlossen ist, ist es nöthig, beiläufig auch die Kosten zu beziffern, welche das Budget der Marine-Sektion aus diesem Anlasse noch weiterhin belasten werden. Als Basis der Berechnung derselben dürften sich am besten die durchschnittlichen Auslagen per Monat nach Maßgabe der bisherigen Erfahrungen eignen und ersucht das Minist, d. Ä. auch diesbezüglich um eine gefällige Mittheilung.1850 Die Marine-Sektion bezifferte die Kosten bis Ende Dezember 1901 auf etwa 4,100 000 Kronen und die Kosten für die Unterhaltung der Escadre in Ost-Asien auf rund 520 000 Kronen pro Monat und [üjbrigens werden seinerzeit gelegentlich der Einberufung der Escader in die heimischen Gewässer für Maschinen-Betriebs-Materiale zur Rückreise rund 1,100 000 K., ferner zur Instandsetzung der Schiffs-Maschinen-Complexe, der artilleristischen Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 1847 HHStA, P.A. XX1X/16, fol. 272', Czikann an MdÄ, Telegramm No. 65 (8 530 Chiffre), Peking, 13.10.1901. 1848 HHStA, A R. F 36/12, 36-Krieg-China-6/l 10 a, Rosthom an MdÄ, Telegramm (No. 8 595, Chiffre), Peking, 2. 7.1905. 1849 Schon im Jänner 1901 erschien in „Danzers Armee-Zeitung“ ein Artikel zu dem Thema: „Unsere Etnschädigungsansprüche an China (von hoher militärischer Seite)“, ln: DAZ 6,2 vom 10.1.1901, S. 2-5. 1850 HHStA, P.A. XXIX/15, fol. l'-2\ MdÄ an RKM/MS, No. 6, Wien, 2.1.1901. 485