Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner Provinz Zhejiang [Tchè-kiang] K’iu-tcheou-fou Quzhou Provinz Zhili [Tche-Ii] Pékin Beijing Houai-lou-hien Huolu Choun-t’ein-fou Shuntianfu Sin-ngan-hien Xin’an Pao-ting-fou Baodingfii T’ong-tcheou Tongzhou Yong-ts’ing-hien Yongqing Wou-yi-hien Wuyi T’ein-tsin-fou Tianjinfu King-tcheou Jingzhou Choun-te-fou Shunde Louan-p’ing-hien Luanping Wang-tou-hien Wangdu in den drei Mandschurei-Provinzen Cheng-king Shengjing Yu-k’ing-kié Yuqingjie (=Moukden) Kia-tze-tch’ang Jiazechang Pei-lin-tze Beilinzi Lien-chan Lianshan Hou-lan-tch’eng Hulancheng Provinz Shaanxi [Chen-si] N i ng-kiang-tcheou Ningjiang Provinz Hunan [Hou-nan] Heng-tcheou-fou Hengzhou Diese Forderung zeigt die Bedeutung des Prüfungssystems (keju) für die chinesische Verwaltung deutlich auf. Die Prüfungen hatten sowohl politische als auch soziale Funktionen, da das Bestehen derselben den Eintritt in die Gentry (shenshi) nach sich zog - den Eintritt in die herrschende Schicht der chinesischen Gesellschaft, deren Kennzeichen die literarischen (jedoch nur sehr selten erbliche) Ränge waren - in China waren Vorrechte der Geburt, wie sie in Europa unter dem ancien régime herrschten, im Allgemeinen unbekannt; und „Sitten und Gesetze“ waren Grundlage der politischen Ordnung.1808 Das Prüfüngssystem „griff eine alte Idee aus dem chinesischen Denken wieder auf: Förderung der anonymen Weisen, die auf der ganzen Erde verstreut sind.“1809 Die Prüfungen trugen dazu bei, die ideologische Einheit des Reiches zu stärken, da sie den Gelehrten „Zeit und Willen zur Kritik an der Regierung nahmen.“1810 1808 Jacques G e rn e t, Die chinesische Welt. Die Geschichte Chinas von den Anfängen bis zur Jetztzeit, Frankfurt/Main 1988, S. 443. Gemet weist in diesem Zusammenhang auf den Einfluß des Prüfungssystems in China auf die Entwicklung des politischen Denkens in Europa hin, wo seit dem Ende des 18. Jahrhunderts der Gedanke, Beamte durch Examina zu rekrutieren, Eingang fand (so wurden während der französischen Revolution 1791 Rekrutierungsprüfungen eingeführt, im Jahr 1800 begann die East India Company mit Prüfungen, Großbritannien wählte ab 1855 den Nachwuchs im Civil service nach Prüfungen). Siehe dazu jüngst: Benjamin A. Elman, A Cultural History of Civil Examinations in Late Imperial China, University of California Press 2000. 1809 Marianne Bast id, „Prüfungssystem“. In: China-Handbuch, ed. Wolfgang Franke unter Mitarbeit von Brunhild Staiger, Düsseldorf 1974, Sp. 1074. 478

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