Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Cölogan konnte nicht umhin, deutlich zu machen, dass die diplomatischen Vertreter Dong Fuxiang für den Hauptschuldigen hielten und dieser daher unbedingt bestraft werden müsste. Schließlich versicherten die Bevollmächtigten Chinas, Dong Fuxiang werde, sobald er seine Macht eingebüßt habe, mit dem Tode bestraft.1™ Li Bingheng hatte nach den Erkennmissen der diplomatischen Vertreter seinen Einfluss benützt, die Yihetuan als loyale und patriotische Vereinigung bekannt zu machen; er war in das Changjiang-Tal entsandt worden, um einen Plan zur Vernichtung der Ausländer vorbereiten. Ab dem 27. Juli 1900 belagerte er mit seinen Gansu-Truppen die Gesandtschaften und kämpfte später gegen die auf Beijing vorrückenden Alliierten. Da er bereits tot war, erklärten die Bevollmächtigten Chinas, er werde ebenso wie Gangyi posthum bestraft werden, alle seine Ehren, auch diejenigen, welche ihm nach seinem Tode verliehen worden waren, sollten ihm entzogen werden.1790 1791 Xu Tong war nach dem Urteil der Diplomaten einer der ausländerfeindlichsten Würdenträger und in alle Aktivitäten zur Vertreibung und Ausrottung der Ausländer involviert. Er hatte die Yihetuan mit seinem Einfluss bei Hof und als Tutor des Thronerben gefordert. Da sein Fall dem des Li Bingheng entsprach, sollte er nach den Angaben der Bevollmächtigten Chinas wie dieser bestraft werden, da ihm jedoch nach seinem Tode keine besonderen Ehren verliehen worden waren, könnten ihm dieselben auch nicht entzogen werden.1792 Xu Tong’s Sohn Xu Chengyu hatte seinen Vater bei dessen Aktivitäten unterstützt und war darüber hinaus Hauptverantwortlicher für die Exekution der Würdenträger, die versucht hatten, die Angriffe gegen die Gesandtschaften aufzuhalten. Zu ihm erklärten die Bevollmächtigten Chinas, er hätte weder die Macht noch den Einfluss gehabt, von sich aus tätig zu werden. Er hätte vielmehr ein von seinen Vorgesetzten vorgelegtes kaiserliches Edikt befolgt, das ihm befahl, bei der Exekution von vier Angehörigen des zongli yamen mitzuwirken. Diese Angaben deckten sich nicht mit dem Standpunkt der diplomatischen Vertreter, denen mehrere Zeugenaussagen Vorlagen.1793 Die Bevollmächtigten Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 1790 Kommandant der Ganjun (Gansu-Truppen; traditionelle Ausbildung, keine modernen Waffen); am 13.2.1901 von diesem Kommando enthoben; vor Ausbruch der Wirren nordöstlich von Beijing stationiert; Kommando über die von Ronglu reorganisierte Wuwei houjun (2. Armee) ECCP, S. 406) . 1791 1894-1897 Gouverneur von Shandong; unterstützt die Yihetuan; begeht am 12. 8.1900 nach der Niederlage bei Tongzhou Selbstmord; ehemals Sichuan zongdu (Hirth, S. 73 und S. 75, ECCP,S. 407) . Mandschure aus dem einfachen blauen Banner; jinshi von 1850; Groß-Sekretär; Selbstmord nach dem Entsatz Beijing’s im August 1900 (MZDC, S. 614, Hirth, S. 74). 1793 Ausführungen des frz. Gesandten Pichon, cf. Protocole No. 2 (5.2.1901). 473

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