Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen
Georg Lehner - Monika Lehner die Bevollmächtigten Chinas, dieser besitze nichts mehr, alle seine Besitzungen in Beijing seien zerstört worden. Zailan Herzog Fuguo wurde als einer der offiziellen Chefs der Yihetuan bezeichnet, in deren Namen er mehrere Proklamationen erlassen hatte. Als Vizepräsident der Polizei war er direkt beteiligt an der Veröffentlichung des primär Zaixun Prinz Zhuang vorgeworfenen Dekrets, das Belohnungen für ausländerfeindliche Übergriffe versprach. Darüber hinaus hatte er als einer der Ersten die Tore der Stadt für die Yihetuan geöffnet. Zu Zailan Herzog Fuguo stellten Yikuang Prinz Qing und Li Hongzhang fest, er hätte nur den Befehle seines Vorgesetzten (d. i. Zaixun Prinz Zhuang) gehorcht. Daher sollte er degradiert und ins Exil geschickt werden. Während jedoch für Zaiyi Prinz Duan als Exil das entlegene Yili-Gebiet in Xinjiang festgelegt war, war für Zailan Herzog Fuguo noch kein Ort festgelegt worden. Als Angehöriger der kaiserlichen Familie sollte er in die Mandschurei geschickt werden.1784 Gangyi wurde von den Diplomaten als Drahtzieher und Ratgeber der Yihetuan bezeichnet, der diese bei Hof verteidigte und denen er Handlungsspielraum verschaffte. Er hatte sich als einer der ausländerfeindlichsten Würdenträger gezeigt, die gegen jede Wiederherstellung friedlicher Beziehungen wirkten. Anfang Juni 1900 war er unter dem Vorwand, die Yihetuan von der Hauptstadt femzuhalten, zu diesen entsandt worden. Dabei hatte er sie ermutigt, ihr Zerstörungswerk fortzusetzen und war - so wie Zaixun Prinz Zhuang, Zailan Herzog Fuguo und Yingnian - einer ihrer Anführer. Darüber hinaus war er Urheber eines Planes zur Vertreibung und Vernichtung der Ausländer in den Provinzen. Auf den Einwand der Bevollmächtigten Chinas, Gangyi sei bereits verstorben, forderten die Diplomaten eine posthume Bestrafung. Daraufhin erklärten die Bevollmächtigten Chinas, er könne degradiert werden. Auf die Frage, ob diese Degradierung die gleichen Folgen wie die Todesstrafe hätte, antworteten Yikuang Prinz Qing und Li Hongzhang zunächst ausweichend. Erst auf drängendes Fragen erklärten sie, die posthume Degradierung entspreche fast vollständig der Todesstrafe.1785 Yingnian wurde von den Diplomaten als einer der Anführer der Yihetuan bezeichnet, der ihre wichtigsten Proklamationen unterzeichnet hätte. Als Vizepräsident der Polizei war er Komplize der kriminellen Manöver der Administration und verantwortlich für die Eskalation der ausländerfeindlichen Bewegung. Zu ihm meinten die Bevollmächtigten Chinas, sein Fall ähnle dem von Zailan Herzog Fuguo. Er habe die gleichen Verbrechen begangen und solle zur gleichen Strafe verurteilt werden. Auf Nachfragen erklärten sie, er werde degradiert und ins Exil (Prinz 8. Ranges); Sohn von Yizong Prinz Dun, Bruder des Prinzen Duan (Hirth, S. 69, ECCP, S. 393). 5 „Unter-Großsekretär des Staates“; Präsident des Ministeriums des Innern; verstarb kurz nach der Ankunft des Hofes in Xi’an; „Degradation nach dem Tode“ (MZDC, S. 223). März 1900 Zweiter Minister im Kriegsministerium; „Soll während der Flucht des Hofes in Wön-hi an Erschöpfung gestorben sein“ (Hirth, S. 70, S. 75). 470