Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Interessen Belgiens vertrat Maurice Joostens, der seit April 1900 in Beijing war,1624 die Japans der Gesandte Baron Nishi1625. Der spanische Gesandte in Beijing, Don Bernardo Jacinto Cölogan'626 führte als Doyen des Diplomatischen Corps1 den Vorsitz in den Verhandlungen. Die Bevollmächtigten Chinas Die Bevollmächtigten Chinas, Yikuang Prinz Qing und Li Hongzhang, hatten Mitte Oktober 1900 um die Aufnahme von Verhandlungen gebeten, doch zu diesem Zeitpunkt erhielten die Diplomaten erst die Ermächtigung ihrer jeweiligen Regierungen zum Eintritt in die Friedensverhandlungen und hatten zunächst die an China zu stellenden Forderungen auszuarbeiten. Yikuang Prinz Qing und Li Hongzhang ersuchten am 15. Oktober den Doyen des diplomatischen Corps in Beijing, den spanischen Gesandten Bemardo de Cölogan, um eine erste Zusammenkunft,'627 doch bis zur endgültigen Aufnahme der Verhandlungen mit Vertretern Chinas vergingen noch Monate, bis die Kollektivnote ausgearbeitet war. Mitten in der Schlussredaktion tauchte die Frage nach den Vollmachten der Vertreter Chinas auf. Mumm von Schwarzenstein erklärte, die Vorverhandlungen der Mächte untereinander seien so weit fortgeschritten, dass man sich mit der Frage der Vollmacht der Vertreter Chinas beschäftigen müsse - bevor die eigentlichen Verhandlungen beginnen. Er habe schon in Shanghai mit Li Hongzhang gesprochen und die formelle Zusicherung erhalten, dass dieser ausreichende Vollmachten besitze; und Li Hongzhang habe dies in Beijing wiederholt. Mumm habe daraufhin detailliertere Informationen über diese Vollmachten verlangt und dabei erfahren, „qu’ils consis­taient en copies non vérifiés ni revêtues de cachets officiels des décrets impériaux dont le texte est déjà connu.“1628 Li Hongzhang hatte seine Vollmachten durch zwei Dekrete, vom 7. August und vom 23. August, die den Gesandten seit Anfang Oktober 1900 Vorlagen,1629 erhalten: Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten ... 1624 Joostens, Maurice, *23.9.1862, Sekretär in Madrid, Kairo und London, 1896 Botschaftsrat in Washington, 1878 in Den Haag. (Henri Cordi er, Histoire des relations de la Chine avec les puis­sances occidentales 1860-1902, Bd. Ill, Reprint Taipei 1966, S. 516 f). 1625 In den Protokollen steht stets die Schreibweise „Nissi“. 1626 Cölogan stammte aus einer irischen Familie, war 1848 auf den Kanarischen Inseln geboren, und hatte auf mehreren Posten gedient, unter anderem in Athen, China, Tökyö und Venezuela, dann als Erster Sekretär in Mexiko und ab 1895 in Beijing, wo er seine Beglaubigungsschreiben am 18.10.1895 überreichte. (Henri Cordier, Histoire des relations de la Chine avec les puissances occidentales 1860-1902. Bd. Ill, Reprint Taipei 1966, S. 416 und S. 517 f.). 1627 Die entsprechenden Schreiben der chinesischen Bevollmächtigten sind vom 15. und 16.10.1900. Siehe Affaires de Chine, Négociations de Pékin, 1 900-1 902, (o.O., o.J), An­nexes No. 3 und 4. Mitunter wird auch der 17. Oktober 1900 genannt, so z. B. in ZJC S. 791. 1628 ACNP, 12e séance, 10.12.1900 [35], 1629 ACNP, Annex No. 3 [2], „Dépêche officielle, addressée par Ly, Vice-Roi du Tcheli, etc., à M. de Cölogan, Ministre d’Espagne, etc. (3 Octobre, 1900). 443

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