Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Die „Friedensverhandlungen“ zwischen China und den Mächten - Verlauf, Abschluss und Unmittelbare Folgen

Georg Lehner - Monika Lehner Die Delegierten bei den Friedensverhandlungen in Beijing Die Vertreter der Mächte Als Vertreter der Mächte fungierten im Allgemeinen die Diplomaten in Beijing - die jeweiligen außerordentlichen und bevollmächtigen Minister oder die Geschäftsträger. Österreich-Ungarn Österreich-Ungarn war bei den Verhandlungen durch den k. u. k. außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister beim Hofe von China, Moriz Freiherr Czikann von Wahlbom, vertreten. Der k. u. k. Gesandte, der „9 Tage nach Herrn von Giers und 6 Tage nach dem deutschen Gesandten hier angekommen war“1“1, war bald überzeugt, vor langwierigen Verhandlungen zu stehen. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch bei zwei Unterredungen mit Feldmarschall Graf Waldersee am 29. Oktober 1900. Dringendstes Problem war zunächst die Suche nach einer Unterkunft - von einer Residenz konnte keine Rede sein. Czikann zog zunächst in das mittlerweile instandgesetzte Haus des Ersten Gesandtschaftssekretärs der deutschen Gesandtschaft: Ich hatte dieses mir in der herzlichsten Form gemachte Anerbieten umso lieber angenommen, da das ganze Gesandtenviertel ausser den wenigen nothdürftig erhaltenen Gesandtschaftsgebäuden, vollständig in Ruinen liegt, und mir daher überhaupt kein, den Wohnungen meiner Collegen näher gelegenes Unterkommen zu Gebote gestanden wäre, als das von Herrn von Rosthom und dem k. u. k. Marinedetachement seiner Zeit occupirte ,Fu‘ des früheren Polizei Präfecten und Minister Chung-li [Chongli], welches wohl viel mehr und grössere Räumlichkeiten für die k. u. k. Gesandtschaft enthält als der deutsche Secretärspavillon, aber vom Gesandtenviertel so entfernt ist, dass, bei dem elenden Zustande der Strassen und dem Mangel an Reitpferden und anderer Transportmittel, der Verkehr mit meinen Collegen, sehr zum Schaden der beginnenden Verhandlungen und der Informations Einholung ungemein erschwert sein würde.1608 Trotzdem war Czikann sofort in dem eben beginnenden Verhandlungsprozess engagiert: Schon für 1. November hatte sich Yikuang Prinz Qing bei ihm und beim deutschen Gesandten zu einem Besuch angesagt.'609 Der Prinz sprach dem Gesandten sein Bedauern über die durch „Boxer“ verursachten Gräuel aus, worauf Czikann erwiderte: Wenn es nur die ,Boxer1 gewesen wären, wären ja wohl die Dinge leichter in das Geleise zu bringen; leider ist aber heute jeder Zweifel darüber ausgeschlossen, dass die Hauptschuld an den fürchterlichen Gräuelthaten [sic!] die chinesische Regierung selbst trifft, und die Frage der unerlässlichen Sühne liege daher auch für die chinesische Regierung bedeutend ungünstiger.1610 Czikann fugte noch hinzu, 16117 HHStA, P.A. XXIX/14, Czikann an Gotuchowski, Bericht No. 3 Vertraulich, Peking, 29.10.1900. 1608 E b e n d a. Zu dem Gebäude s. u. 1609 „ . . Ebenda. 1610 HHStA, P.A. XXIX/14, Czikann an Gotuchowski, Bericht No. 3 Vertraulich, Peking, 29.10.1900. 440

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