Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901
Georg Lehner - Monika Lehner Waldersee äußerte sich im Herbst 1900 durchaus positiv über das österreichischungarische Detachement. In einem Schreiben, das dem k. u. k. Chef des Generalstabs Beck Ende des Jahres zuging, lobte Waldersee die in China kämpfenden österreichisch-ungarischen Truppen. Selbst Kaiser Franz Joseph zeigte sich über dieses Lob erfreut: „Bitte [...] den Feldmarschall herzlichst von mir zu grüßen und meiner Freude Ausdruck zu geben, dass er mit unserem Detachement zufrieden ist.“1599 * 1601 Waldersee sprach am 29. Oktober gegenüber Czikann von der „wackeren Haltung“ der k. u. k. Marinedetachements in Ostasien.'600 Auch in seinen Berichten und in seinem Tagebuch äußerte sich Waldersee wiederholt positiv über „die in Peking befindlichen österreichischen Marineteile, die gern zu jeder Verwendung bereit sind.“ Am 22. Dezember 1900 betonte der Oberbefehlshaber die „Abneigung der internationalen Kontingente, Österreicher und Italiener natürlich ausgeschlossen, zu weiteren Unternehmungen.“'601 In seinem Werk „Deutschland in China“ beurteilte Rudolph Zabel das Verhalten der in China stationierten Truppenkörper im Rahmen der Strafexpeditionen. Vor der Beschreibung der von den Deutschen beobachteten Grundsätze meinte er, dass die US-Soldaten „überhaupt keine“ Strafexpeditionen unternehmen würden, auch die k. u. k. Detachements wären „mit einer einzigen unbedeutenden Ausnahme“ zu keiner Strafexpedition gekommen: Österreich hat von jeher nur ein kleines Detachement in China gehabt. Aber so oft ich auch Gelegenheit gehabt habe, das Auftreten der Oesterreicher zu beobachten, habe ich mich über sie gefreut. Schmuck, adrett und im Felde energisch treten sie auf. Niemals hat man von ihnen etwas Übles sprechen hören, im Gegenteil, wer mit ihnen in Berührung gekommen ist, rühmte sie als gute Kameraden.1602 In ähnlichem Sinne schrieb später auch Emil Wilhelmy über die militärische Beteiligung Österreich-Ungams an der Intervention in China.1603 1599 Vgl. dazu die Schilderung bei Edmund von Glaise-Horstenau, Franz Josephs Weggefährte. Das Leben des Generalstabschefs Grafen Beck. Nach seinen Aufzeichnungen und Dokumenten, Zürich/Leipzig/Wien 1930, S. 388; zum Zitat ebenda, Anm.l. (vgl. danach auch Francis Roy Bridge, From Sadowa to Sarajevo. The Foreign Policy of Austria-Hungary, 1866-1914, London 1972, S. 248) - LSK Bless von Sambuchi schrieb am 10.12.1900, dass sich Waldersee gegenüber dem k. u. k. Gesandten „in besonders lobender Weise über Strammheit und Ausdauer unserer Truppen ausgesprochen habe und daß er mit einer diesbezüglichen Mittheilung an Se. Exc. den Chef des k. u. k. Generalstabes beabsichtige, die Haltung des k. u. k. Landungs-Detachements zur Kenntnis Seiner Majestät zu bringen.“ MDP, Res. No. 75 ex 1900, LDP an ECiO, Peking, 10.12.1900. '600 j-jj-jstA, P.A. XXIX/14, Czikann an Gotuchowski, Bericht No. 3 Vertraulich, Peking, 29.10.1900. 1601 Waldersee, Denkwürdigkeiten III, S. 40 und 74. 1602 Zabel (1902), S. 292. '603 Emil Wilhelmy, China. Land und Leute. Illustrierte Geschichte des Reiches der Mitte (Berlin 1904), S. 691: „Die Dreibundmächte Italien und Österreich-Ungarn waren nur durch eine bescheidene Truppenmacht vertreten. [...] [Österreich-Ungarn] beschränkte seine Vertretung in Tschili auf die Entsendung von Kriegsschiffen, deren Landungskorps sich bei den heißen Kämpfen um Taku und Tientsin, wie auch später wiederholt besonders hervorgethan haben.“ 436