Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)
Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901
Georg Lehner - Monika Lehner Am 7. Januar untersuchte eine k. u. k. Abteilung die Gegend nordwestlich von Sunhe. Im fünf Kilometer westnordwestlich von Sunhe gelegenen Dorf Maqianying1581 * 1583 wurde der Patrouille berichtet, dass die Bevölkerung unter gewalttätigen Übergriffen von Räuberbanden zu leiden gehabt hätte. Marsgast A. Pauer und drei berittene Matrosen wurden von Hoppe zur acht Kilometer westsüdwestlich von Sunhe gelegenen Ortschaft Yejiafen1584 detachiert. Dort beobachtete man vier bewaffnete chinesische Soldaten, die bei der sofort aufgenommenen Verfolgung allerdings entkommen konnten. Bei etwas gestiegenen Temperaturen wurde die Gegend um Yejiafen neuerlich untersucht, doch konnte nichts Verdächtiges festgestellt werden. Die k. u. k. Abteilung begann daraufhin mit der Untersuchung des Südwestens von Sunhe. Tags darauf, am 9. Januar, teilten die „Dorfältesten“ von Sunhe Hoppe mit, dass sich in Louzizhuang (12 km südsüdöstlich von Sunhe) etwa 300 „Räuber“ aufhalten sollten, die über vier Geschütze und einige Mauser-Gewehre verfügten. Hoppe untersuchte daraufhin die ihm bezeichnete Ortschaft, konnte jedoch nichts Verdächtiges feststellen. Bei der Rückkehr gegen vier Uhr Nachmittag fand Hoppe im Quartier LSF Alois Milic vor, der zu Mittag dort eingetroffen war. Hoppe teilte Milic mit, dass „im Umkreis auf 18 km von Sun-ho keine schlechten Elemente vorzufinden seien.“ Auch die Bevölkerung von Sunhe zeigte keine weiteren Zwischenfalle an.1585 Eine von den k. u. k. Truppen verlautbarte Proklamation hatte ihre Wirkung somit nicht verfehlt.'586 Am 10. Januar ordnete Milic den Rückmarsch nach Beijing an. Auf dem vierstündigen Rückweg wurden sämtliche auf dem Weg gelegene Ortschaften rekognosziert. Um 16 Uhr rückte die gesamte Tmppe wieder im Chongzhai ein.1587 Gaoliying Die nächste (und letzte) Entsendung eines österreichisch-ungarischen Detachements in die Umgebung von Beijing erfolgte am 29. Januar 1901. Ziel der Operation war der Ort Gaoliying1588, etwa 35 Kilometer nordnordöstlich von 1581 Vgl. dazu die Karte des Kreises Daxing (Daxing xian) des Shuntian fuzhi [Lokalhandbuch der hauptstädtischen Präfektur Shuntian], ND 1987, Bd. 3, unpaginiert. 1584 ln den Akten des k. u. k. Marinedetachements in der Form „Ye-tsha-fen“. Zur Lage des Ortes vgl. Beijing lishi ditu ji [Historischer Atlas von Beijing], ed. Hou Renzhi, Beijing 1985-88. 1585 KA, MS/OK 1901 -XI-2/1, Nr. 626, ECiO an RKM/MS, Res. No. 221/M, Missionsbericht für die Zeitperiode vom 16.2. bis 6.3.1901, Shanghai, 6.3.1901, Milic an LDP Peking, 7.2.1901. 1586 Winterhaider (1902), S. 528 führt den vollen Wortlaut an. Der letzte Absatz der Proklamation sicherte der Bevölkerung von Sunhe den Schutz durch das k. u. k. Detachement zu: „[...] Es öffne das Volk seine Läden, es lebe im Frieden wie früher und, wenn Jemand versuchen würde, von Euch Geld zu erpressen, so ist es Eure Pflicht, dies meinen Officieren zu melden, damit der Betreffende strenge bestraft werden kann.“ 1587 KA, MS/OK 1901-XI-2/1, Nr. 626, ECiO an RKM/MS, Res. No. 221/M, Missionsbericht für die Zeitperiode vom 16.2. bis 6.3.1901, Shanghai, 6.3.1901, Milid an LDP, Peking, 7.2.1901. 1588 Während der Ort auf der Karte von Bretschneider (1876) eingetragen ist, fehlt er auf jener von Möllendorff (1881). Nach den Angaben in DMDC, S. 780 liegt Gaoliying 45 li (d. h. etwa 23 km) östlich von Changping. - Winterhaider (1902), schreibt „Kanli-jin“. 432