Georg Lehner, Monika Lehner (Hrsg.): Sonderband 6. Österreich-Ungarn und der „Boxeraufstand” in China (2002)

Österreich-Ungarns Maritim-Militärische Präsenz in China: Vom Entsatz der Gesandtschaften bis Ende Januar 1901

Georg Lehner - Monika Lehner aus diesem Grunde hatte das Armee-Oberkommando vorgesehen, die Stadt mit einer höheren Kontribution zu belegen.1562 Um den Abtransport der in der Innenstadt gelagerten Reisvorräte zu verhindern, wurden die vier Tore der City besetzt; das k. u. k. Detachement sollte das Nordtor bewachen. Die Nacht vom 18. auf den 19. November musste aus diesem Grund in einem nahe gelegenen Tempel verbracht werden. Sajiz berichtete ferner, dass sich die Bevölkerung von Zhangjiakou „wohl wegen der geringen Stärke der anwesenden Truppen“ ziemlich abweisend verhalten habe. Bei der Suche nach einem geeigneten Quartier musste am Morgen des 19. November der Widerstand der Bevölkerung erst gebrochen werden. Während des Aufenthaltes in Zhangjiakou wurden die Monturen und „das stark hergenommene Schuhwerk der Mannschaft“ wieder so gut wie möglich in Stand gesetzt.'563 Außerdem wurde der Aufenthalt in Zhangjiakou zur Requisition von Pelzen für den Winter und zur Beitreibung von Schlachtvieh genützt.1564 Der Rückmarsch nach Beijing wurde am 23. November 1900 angetreten, „nachdem der Zweck der Expedition erfüllt war, und man weit und breit keine chinesischen Truppen zu sehen bekam.“1565 Das erste Nachtquartier wurde in Xuanhua aufgeschlagen, am 24. erreichte das Expeditionskorps Jimingyi, am 25. Shacheng1566 und am 26. Huailai. In Huailai war es zwischen dem ersten Aufenthalt des Expeditionskorps (15./16. November) und deren erneutem Eintreffen zu einer kritischen Situation gekommen. Aufrührerische Elemente - von Saijz als „Boxer“ bezeichnet - hatten versucht, in den Amtssitz der lokalen Verwaltung einzudringen, um diesen zu plündern, die Häftlinge zu befreien und „den Mandarin zu ermorden.“ Der italienische Etappenkommandant von Huailai, Bicchi, konnte diesen Plan durch sein entschlossenes Vorgehen jedoch vereiteln.1567 In der Nacht zum 27. November 1900 erlag Oberst Maximilian Graf Yorck von Wartenburg, der Kommandant der Expedition, den Folgen einer Kohlenmonoxydvergiftung. Am frühen Nachmittag des 27. November erreichten die Truppen Chadao, wo sie die beim Ausmarsch benützten Quartiere vollkommen ausgeplündert vorfanden. 1562 Winterhaider (1902), S. 518. 1561 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an LDP, Peking, 20.12.1900. 1564 Vgl. dazu Löffler (1902), S. 27. 1565 Wöjcik (1902), S. 94. 1566 Vgl. dazu DMDC, S. 405. - Die Topographie dieses Gebietes wurde durch die Errichtung des Guanting-Kraftwerkes zwischen Oktober 1951 und Mai 1954 und die Flutung des Staubeckens erheblich verändert. Zu diesem Kraftwerk vgl. Zhonghua renmin gongheguo shi cidian [Lexikon zur Geschichte der Volksrepublik China], Beijing 1989, S. 561. 1567 KA, MS/OK 1901 -X-14/1, Nr. 692, LSL Heinrich Sajiz an LDP, 20.12.1900. - Vgl. dazu auch Winterhaider (1902), S. 519. 426

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