Sonderband 4. Das Institutionserbe der Monarchie. Das Fortleben der gemeinsamen Vergangenheit in den Archiven (1998)

István Fazekas: Die ungarischen Archivdelegierten im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, sowie im Finanz- und Hofkammerarchiv - Ein Bilanzversuch

Istvân Fazekas nach Budapest zu entlehnen). Die Beantwortung der schriftlichen Ansuchen und die Hilfe für die einzelnen Benutzer haben auch viel Mühe gekostet, weil die neue Benützungsgrenze (eigentlich Forschungsfreiheit bis 1894, später - seit dem Jahr 1930 / teilweise bis 1918) das Interesse für die Wiener Archive erhöht hat. Die administrativen Aufgaben beanspruchten am Anfang sehr viel Zeit. Die Übergabe der so großen Bestände wie des im Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbe­wahrten Kossuth-Archivs (vorher Teil des Bestand Hungarica) und des General- Gouvernements des Bach-Zeitalters hat ihnen reiche Beschäftigung geboten. Nach der Abnahme dieser Aufgaben wurde ihre wissenschaftliche Tätigkeit immer bedeutender. Die Mehrheit der ungarischen Forscher war Stipendiaten des Wiener Instituts für ungarische Geschichtforschung. Sie arbeiteten meistens als Mitarbeiter der Quel­lenreihe „Fontes historiae Hungaricae aevi recentioris“. Übrigens war die Grund­lage dieser Reihe im 1918 von Ärpäd Kärolyi, Gyula Sekfü und Ferenc Eckhart ge­schaffen worden. Die Archivdelegierten standen mit dem obengenannten histori­schen Institut in enger Verbindung. Eckhart und Szekfü haben als Assistenten von Kärolyi dem Institut geholfen. Eckhart wurde später, im Jahre 1928 Direktor des Instituts. Jänossy wurde 1930 zum Stellvertreter des Direktors ernannt13. Gyula Miskolczy war im Jahre 1936 schon Direktor des Instituts, als er Delegierter wurde. Die einzelnen Beauftragten nahmen nicht nur an der Arbeit des Instituts teil, sie widmeten sich auch verschiedenen Forschungsthemen in der genannten Publi­kationsreihe. Ferenc Eckhart bearbeitete die Beziehungen der deutschen Frage und des Krimkriegs14. Gyula Miskolczy beschäftigte sich mit der Geschichte der kroatischen Frage im Zeitalter des Ständestaates15. Jänossy bemühte sich, die Ge­schichte der Kossuth-Emigration zu bearbeiten16. Die ungarischen Archivare haben an den Ordnungsarbeiten, wie schon erwähnt wurde, teilgenommen. Vor allem war Oszkär Paulinyi in diesem Bereich tätig, zum Beispiel ordnete er im Jahre 1936 das Archiv der Stockholmer Botschaft. Sein Behelf wurde unter die Archivbehelfe des Haus-, Hof- und Staatsarchivs mit der Signatur AB 217/k eingereiht17. Später hat er die Neuaufnahme der Ungari­schen Akten begonnen, aber Paulinyi konnte diese Arbeit nicht mehr beenden18. Vor dem Zweiten Weltkrieg ist noch eine wichtige Veränderung geschehen. Dénes Jänossy wurde in seinem Amt von einem alten Wiener, Gyula Miskolczy ab­13 MOL K 726 665/1930, und MOL R 279 Nachlaß Dénes Jänossy Konvolut 13. Die Ernennung von Jänossy 7. 10. 1930. 14 Die deutsche Frage und der Krimkrieg. Osteuropäische Forschungen. Neue Folge 9. Berlin 1931. 15 A horvât kérdés tôrténete és iromânyai a rendi âllam korâban (Geschichte und Schriften der kroati­schen Frage im Zeitalter des Ständestaates) I—II. Budapest 1928-1929. 16 A Kossuth-emigräciö Angliâban és Amerikäban (Die Kossuth-Emigration in England und Amerika). 1851-1852.1—II. Budapest 1940-1944. 17 Paulinyi hat den Dankbrief von Ludwig Bittner vorgeführt. MOL Y 1 349/1936. MOL K 726 214/ 1936, und K 81 421/1936. 18 „Eine ins einzelne gehende Neuaufnahme hat der Beauftragte der Kgl. ungarischen Regierung, Herr Staatsarchivar Dr. Oskar Paulinyi begonnen“. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsar­chivs. Hrsg, von Ludwig Bittner. Inventare österreichischer staatlicher Archive V. Inventare des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs 4-8. Bd. 1-5. Wien 1936-40. IV. 51. 97

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