Sonderband 4. Das Institutionserbe der Monarchie. Das Fortleben der gemeinsamen Vergangenheit in den Archiven (1998)

István Fazekas: Die ungarischen Archivdelegierten im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, sowie im Finanz- und Hofkammerarchiv - Ein Bilanzversuch

DIE UNGARISCHEN ARCHIVDELEGIERTEN IM HAUS-, HOF- UND STAATSARCHIV, SOWIE IM FINANZ- UND HOFKAMMERARCHIV - EIN BILANZVERSUCH VON ISTVÄN FAZEKAS Am 1. Jänner 1927 trat das Badener Archivabkommen in Kraft, das der ungari­schen Regierung das Recht einräumt, zur Verwaltung und Erschließung gemeinsa­mer Archivkörper ständig Delegierte in Wiener Archiven zu unterhalten. Wir kön­nen die neu gebildete Institution als die Fortsetzung der Liquidierungskommission betrachten1. Ferenc Eckhart und Gyula Miskolczy, die letzten Liquidierungskom­missäre wurden zu den ersten Beauftragten ernannt. Ferenc Eckhart, der Rangälte­ste war vorher als Archivar im Flofkammerarchiv tätig. Der andere Delegierte, Gyula Miskolczy ist als Nachfolger des Liquidierungskommissärs Szekfü nach Wien gekommen1 2. Die ersten Archivdelegierten haben am 21. Dezember 1926 an der ungarischen Botschaft den im Vertrag geforderten Eid abgelegt3. Sie waren anfgangs dem ungarischen Außenministerium beziehungsweise der Botschaft untergeordnet. Dieser Zustand wurde im Jahre 1928 geändert, als die Gemeinschaft der ungarischen wissenschaftlichen Sammlungen (Orszägos Magyar Gyujteményegyetem, ein Organ des Kultusministeriums) die finanzielle Last der Delegation übernommen hatte, gleichzeitig wurde festgestellt, daß der Charakter der Subordinierung zur Botschaft und der Charakter der Regierungsbeauftragten nicht verändert würde4. Die Archivdelegierten waren in der Klasse der Botschafts- koncipisten eingeteilt, und sie konnten ihre vollrechtliche Tätigkeit im Sinne des Vertrags nach einem Jahr Probezeit beginnen5. Ferenc Eckhart kehrte im Jahre 1929, nach 18jährigem Aufenthalt in Wien nach Ungarn zurück, um dort als Professor der Budapester Universität eine Schule für 1 Ress, Imre: A bécsi levéltârak szétvâlasztâsânak kérdése 1918-1919-ben (Die Probleme der Liquida­tion der Wiener k.u.k. Archive in den Jahren 1918-1919). In: Levéltâri Kôzlemények 48 (1987) 175- 193. Über die Archivdelegation Imre Ress: Die ungarische Archivdelegation in Wien als eine Institu­tion zur Lösung von grenzüberschreitenden Archivproblemen. In: Scrinium 36/37 (1987) 264-272. 2 Antrag von Ferenc Eckhart an den Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs über den Auftrag von Gyula Miskolczy (Konzept). Magyar Orszägos Levéltâr (Ungarisches Staatsarchiv, Budapest) (im weiteren MOL) P 1553 A bécsi levéltârakhoz kiküldött magyar kirälyi kormânymegbizott (Der König­liche ungarische Regierungsbeauftragte bei den Wiener Archiven) 1925. XI. 18. 3 MOL K 81 Bécsi Magyar Követseg (Wiener ungarische Gesandtschaft) 3830/1926. Neben die zwei Be­auftragten arbeitete Dr. Vendel Radies als Amtsdirektor in den Jahren 1927-28. 4 Der Einfluß des ungarischen Kultusministeriums wurde immer stärker, und der Charakter der Regie­rungsbeauftragten wegen der Verbindung mit dem Wiener Institut für ungarische Geschichtsforschung verblaßte. 5 MOL K 81 1082/1926. Das Kultusministerium hat die Delegierten von 1. Juli 1928 bezahlt. 95

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