Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

† Peter Gasser: Karl VI., Triest und die Venezianer

Karl VI., Triest und die Venezianer VI. Die Lage in Triest in den Jahren vor der Errichtung der Hauptkommerzialintendenza Die von Anfang an nicht erfolgte Konzentrierung der ohnehin im bescheidenem Ausmaße vorhandenen Mittel auf einen Hafenplatz war einer der Gründe für den Mißerfolg der hochgesteckten Pläne Karls VI. im Litorale1“. Einer der wenigen Positiva für Triest war die Ausfuhr des in Idria (Krain) gewon­nenen Quecksilbers nach dem Süden. Dieser bereits im Jahre 1719 gefaßte Plan hatte Erfolg, da schon im folgenden Jahr 107 Pfund exportiert werden konnten. Allerdings begann um das Jahr 1730 von Bosnien her ein sehr starker Export des billigen türki­schen Quecksilbers nach Venedig. Gegenüber dieser Konkurrenz ging in der Folge der Umsatz Triests stark zurück162 163. Der Plan, Triest und Fiume gleichzeitig zu See-Emporien auszubauen, war ohne Zweifel verlockend und in der Absicht, den Ländern der Krone Ungarns über Fiume den Zugang zur See zu erschließen, begreiflich. Das Resultat dieses Vorgehens lief auf eine Verzettelung der Kräfte mit der Folge hinaus, daß den industriell höher entwickelten Gebieten, wie Steiermark und Kärnten, näher gelegenen Triest der notwendige Impuls zur Überwindung jener Lethargie vorenthalten wurde. Die für den Quarnerohafen Fiume bereitgestellten Mittel reichten schon gar nicht aus, um diesen Platz zur erhofften Aufwärtsentwicklung zu verhelfen. Am 10. September 1728 hatte Karl VI. Triest mit seinem Besuche beehrt. An dem unter beträchtlicher Prunkentfaltung abgewickelten Empfang beteiligte sich auch eine von den Nobili Piero Capello und Andrea Corner (Cornaro) geführte veneziani­sche Abordnung, die dem Monarchen die „aufrichtige Verehrung und Freundschaft“ der Republik versicherte164. Den geschulten Augen der venezianischen Delegierten dürften die im Litorale oft planlos und übereilt getroffenen Maßnahmen nicht ver­borgen geblieben sein: Es kann angenommen werden, daß diese Gesandtschaft mit der beruhigenden Überzeugung, daß von Triest in nächster Zukunft keine emstzu­nehmende Konkurrenz zu befürchen sei, die Rückreise nach Venedig angetreten hat. Hatte sich der Kaiser anläßlich der Visitation des Litorale überzeugt, daß die Er­füllung seiner Pläne nur durch die Zusammenfassung aller Mittel und Kräfte an und von einem einzigen Platze aus - Triest - zu bewerkstelligen war? Eindeutig klar wird man diese Frage wohl nie beantworten können. Zwar erscheint in den unmittel­bar darauffolgenden Jahren Triest gegenüber Fiume bevorzugt. Zu einer endgültigen Entscheidung raffte sich die kaiserliche Regierung jedoch nicht auf. In seinem schon zitierten Sodo sistema hat Stefano Grenna die Vorzüge von Triest gegenüber Fiume ausführlich aufgezeigt und darüber hinaus auch mit Anregungen 162 HHStA Wien, Österreichische Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9, fol. 413' „Potrebbe essere sempre pregiudi- zioso allTntroduzione dell Commercio Maritimo per esser stati dichiarati due porti franchi in Trieste ed in Fiume e non uno solo [Widmann]..." 163 S r b i k : Exporthandel, S. 3 52. 164 Löwenthal: Geschichte der Stadt Triest, S. 176. 91

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