Sonderband 3. „wir aber aus unsern vorhero sehr erschöpfften camergeföllen nicht hernemben khönnen…” – Beiträge zur österreichischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert (1997)

Fritz Prasch: Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken

Spuren der österreichischen Industrialisierung in Archiven und Bibliotheken 8. Statistik oder Impuls? Die Spuren zur Erläuterung der Industrialisierung sind vielfältig und bilden trotz­dem nur eine Auswahl von Beispielen, die nicht alles erklärt, was die Monarchie nach weit verbreiteter Meinung in diesem Stadium von anderen Staaten unterschei­det. Die Statistik gibt z. B. bei der Anzahl der Dampfmaschinen, der Baumwollspin- deln, bei den Erntemengen und der Stahlproduktion geringere Werte als für Eng­land, Frankreich oder Deutschland an, obwohl die Monarchie an Fläche und Bevöl­kerung den anderen durchaus gleichzusetzen war. Kommt den Österreichern des Vormärz trotzdem ein Verdienst zu, das über Ressel und Ghega hinausgeht? Das Zurückbleiben Österreichs in den Statistiken kann zum Teil mit den vorteil­hafteren örtlichen Bedingungen (Wasserräder infolge des Flußreichtums, Holz- statt Mineralkohle durch Waldreichtum) erklärt und sogar als Ausdruck rationeller Be- triebsfiihrung gewertet werden. Im Vergleich zum fahrenden England bremste die betont konservative Haltung des Kaiserhauses und der Regierung, die sich meist in einmaligen geldlichen Belohnungen und Nobilitierungen erschöpfte, die technisch­wirtschaftliche Evolution. Daß durch die zögernde Liberalisierung der Zug der Zeit nicht aufzuhalten war, ist aus den aufschlußreichen Quellen abzulesen. Die admini­strative Bremse verhinderte in vielen Fällen die Publikation und die Verbreitung der Produkte, nicht aber die geistige Schöpfung. Eine unverdiente Konsequenz, der Ruf der Monarchie, im Vormärz vorwiegend aus Biedermeierkultur unter der Zensur Metternichs zu bestehen, war allerdings nicht zu vermeiden. Dieses größtenteils falsche Bild wurde bis heute nicht nachhaltig korrigiert, obwohl eine Zusammenfas­sung der zahlreichen, zersplitterten Veröffentlichungen zu einer Technikgeschichte Österreichs nicht nur zielfiihrend, sondern auch überfällig wäre. Wie die Hinweise in dieser Arbeit zeigen, bieten unsere Archive und Bibliotheken dazu zahlreiche Mög­lichkeiten. 149

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