Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)
B2 Die Ernährung in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - Tierhaltung
Wülfgang Pohl In den Gärten wurde schon seit dem sechzehnten Jahrhundert vielerorts Flachs angebaut, dabei fiel als Nebenprodukt bei der Weiterverarbeitung Leinöl an, das für Beleuchtungszwecke gebraucht wurde. Öl wurde sonst noch aus Raps und aus Rüben gewonnen. Während im 17. Jahrhundert der Weinbau nur noch im Süden Deutschlands betrieben wurde, nahm im nördlichen Teil des Reiches der Obstbau immer mehr zu. Zu erwähnen sind hier vor allen Dingen Äpfel, Birnen, Kirschen und Strauchobst. Auch die Wiesen wurden durch gezieltes Abgrasenlassen und durch Düngen bearbeitet. Allerdings war die Intensität dieser Bearbeitung so gering, daß generell davon ausgegangen werden kann, daß die Qualität der Wiesen ständig abnahm. Noch wesentlich schlimmer sah es bei den Weiden aus. Die Ursachen sind vor allem darin zu finden, daß die Preise für Tiere und tierische Erzeugnisse so gering waren, daß eine intensivere Bearbeitung des Bodens nicht lohnend erschien. Es kamen aber im Verlauf des Fruchtwechsels die sonst als Acker genutzten Flächen als Weidegrund zur Anwendung. Sie waren begehrter als die Flächen, die nur als Weidegrund Verwendung fanden. Für das Großvieh wurden außerdem die Wälder als Weideland genutzt, wodurch allerdings der Wald sehr leiden konnte, weil das Vieh die jungen Sprößlinge der Bäume und teilweise sogar die Baumrinde abfraß. Besonders Ziegen fügten dem Wald großen Schaden zu. Der Waldweide muß die Waldmast zur Seite gestellt werden. Die Zahl der Waldfrüchte, die für die Mast Verwendung fanden, ist recht groß, sie umfaßt Eicheln, Bucheckern, Haselnüsse, Wildobst, Hagebutten, Beeren aller Art, Pilze, Wurzeln und Knollen, dazu noch Würmer, Insektenlarven und Schnecken. TIERHALTUNG Die Viehhaltung beschränkte sieh in der Hauptsache auf Rinder, wobei großen Wert auf die Herkunft gelegt wurde. Berühmt waren friesische, alpenländische (schweizerische) und ungarische Rinder. Der Vorteil der Tierproduktion gegenüber den Pflanzenprodukten war der, daß die er- steren sich leichter transportieren ließen bzw. ein Transport über längere Strecken unproblematischer war, weil sie ja praktisch „am Stück“ befördert wurden. So konnte man in Köln zu ein und demselben Zeitpunkt Ochsen friesischer, dänischer, sächsischer, polnischer und ungarischer Herkunft kaufen. Über den Handel mit polnischen Ochsen lesen wir bei Baszanowski: „ln der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert basierte die Ausfuhrproduktion in den südöstlichen Teilen des damaligen Polens ... nicht auf den zahlenmäßig bescheidenen Ochsenherden, die unmittelbar auf den 50