Jürgen Pohl: Sonderband 1. „Die Profiantirung der Keyserlichen Armaden ahnbelangendt” – Studien zur Versorgung der kaiserlichen Armee 1634/35 (1989)

B Der Rahmen - B1 Das Heer - Besoldung

Studien zur Versorgung der Kaiserlichen Armee 1634/35 daß die Rekruten ein Handgeld in verschiedener Höhe erhalten (zwi­schen 2‘/2 und 6 Talern). Über den Grund dafür kann nur spekuliert werden. Nicht jede Truppe konnte oder sollte überall eingesetzt werden, wie aus einem Brief Ferdinands III. an Ferdinand II. deutlich wird29. Dieser hatte seinem Sohn mitgeteilt, daß in Ungarn zweitausend Kavalleristen zusam­mengebracht worden wären, von denen tausend nach Böhmen verlegt werden sollten. Ferdinand III. stimmt der Zahl zu, hält es jedoch für besser, die Ungarn nicht in Böhmen zum Einsatz zu bringen, da „sie sich nur ehunder aufs außreissen legen würden“, sondern will sie seiner Hauptarmee in Süddeutschland zugeteilt wissen. Dafür will er von dort dann eine Anzahl Croaten nach Böhmen schicken. Er bittet Ferdinand II. darum, die Verlegung der ungarischen Truppen in die Wege zu leiten. Die Zahl der Desertionen ist nicht bekannt, nur in einem Brief des Ge­neralkriegskommissares für Vorderösterreich Rudolph von Ossa an Kö­nig Ferdinand III30. wird darauf Bezug genommen. Dort wird berichtet, daß „vom feindt täglich sehr viel Knecht und Reutter“ ausreißen, die Ossa mit Paßzetteln versieht und sie zur Armee schickt, um sich „zu Ihren Regimentern wider einzustellen“, was bedeuten könnte, daß sie ursprünglich schon einmal zur kaiserlichen Armee gehört haben. Er weist weiter darauf hin, daß noch mehr kommen würden, wenn er in der Lage wäre, sie mit Geld zu unterstützen, welches ihm aber fehlt. In diesem Brief gibt er auch weiter, was er von den Überläufern an Mel­dungen gehört hat. Demnach scheint die ihm gegenüberliegende protestantische Armee in Auflösung begriffen zu sein. Viele Befehls­haber hätten schon ihren Abschied genommen und beim polnischen König einen neuen Dienst angetreten. Von den Soldaten wollten viele überlaufen, sobald das kaiserliche Heer näher rücken sollte. Inwieweit dies vor der Schlacht von Nördlingen in einem nennenswerten Maß erfolgte, ist nicht bekannt. BESOLDUNG Die Besoldung der Soldaten in der kaiserlichen Armee war recht unter­schiedlich, das heißt, der Abstand zwischen der höchsten und der nied­rigsten Besoldung war sehr hoch. Außerdem schwanken die Angaben der Besoldungen für gleiche Dienstgrade in den verschiedenen Listen31. 29) AFA 1634/8/91 (21.8.1634). 30) AFA 1634/6/63 (24.6.1634). 31) Verwendet wurden folgende Dokumente: Hoffinanz Österreich Faszikel 242/3 Militärimpressen Nr. 9 vom 9.11.1630 37

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