Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

4 Quellen- und medienkritische Erläuterungen

ließ Neustadt die Stadt, so dass am 22. März 1848 Johann Bangya die Re­daktion übernahm. Dieser hatte schon mehrere Jahre Beiträge zu den Sitzungen des ungarischen Landtags verfasst. Mit ihm begann sich das Verhältnis der Redaktion zur Revolution bedeutend kühler zu gestalten. Auch wenn man keinen endgültigen Bruch mit Österreich in Kauf nahm, zeigte man sich doch nach wie vor ungarisch-patriotisch und sprach sich ungewöhnlich scharf gegen die Meinung des politischen Gegners aus. Am 14. April 1848 hieß es, die Heranbildung einer gefährlichen öffentlichen Meinung müsse verhindert werden. Und weiter: Ein „blindes Vertrauen“ in die „Leiter unserer Angelegenheiten“ sei „unumgänglich nöthig“. Aufgabe der Presse sei es, dafür zu sorgen, dass keine „das so sehr nöthige Zutrauen gefährdende öffentliche Meinung sich entfalten könne.“121 Im März wies die Redaktion darauf hin, dass sie konservativ bleiben möchte und dass sie bereit sei, mit der neuernannten ungarischen Regierung so lange zusammenzuarbeiten, solange diese den Grundsätzen treu bleibe, die sie in der Opposition vertreten habe (29. März 1848). Schwierigkeiten bereitete der Redaktion möglicherweise die radikale Sprachpolitik in Ungarn, die in den früheren Reichstagen von 1836 und 1843/44 festgelegt wurde.122 Auch unter Sándor Pusztay, der nach Bangya vom 1. Juli 1848 bis zum 30. September desselben Jahres die Redaktion der „Preßburger Zeitung“ über­nahm123 sowie dessen Nachfolger Richard Noisser (bis 19. Dezember 1848), erhielt sich eine relativ konservative Ausrichtung des Blattes. Mit Pusztay begann das Blatt - wie dieser dies auch in seinem Programm vom 1. Juli 1848 ankündigte - die Notwendigkeit zu betonen, das wirtschaftliche und kulturelle Niveau des Bürgertums zu heben. 1848 widmete sich die Zeitung vor allem den revolutionären Bewegungen in der Slowakei, nationalen Fragen in Österreich und der Problematik der slawischen Völker. Kritisch bis feindselig stand die Zeitung den Aktionen von Štúr, Húrban und Hodža gegenüber. 121 ln dieser Zeit wird aber noch kein endgültiger Bruch mit Wien offenbar: am 3. April 1848 (Preßburger Zeitung 43) etwa wird in „Oesterreich und Ungarn" noch für den inneren Zusammenhang der beiden Länder und die gegenseitige Abhängigkeit plädiert. Ein Artikel mit dem Titel „Was thut Ungarn noth" (Preßburger Zeitung 49, 17. April 1848) beinhaltet die Ablehnung einer Revolution nach deutschem oder französischem Vorbild, die im Blutbad enden würde. Ab etwa Mai ergehen wiederholte Forderungen an Wien, für die Bewaffnung der ungarischen Nationalgarde zu sorgen. Zunehmend wird nun Stellung bezogen gegen slavische Aufwiegeleien, Gefahren des Panslavismus, usw. 122 Auf Ersterem wurde ein Sprachengesetz über den Vorrang der ungarischen Sprache in den Bereichen Gesetzgebung, Rechtssprechung und Religionsausübung erlassen. 1843/44 schließlich wurde Ungarisch als offizielle Sprache in Reichsinstitutionen und Schulen verein­bart. Nach Stanislav Kirschbaum sei von diesem Zeitpunkt die Richtung in eine Politik der offiziellen Magyarisierung frei gewesen. Die „Preßburger Deutsche Zeitung“, die Bangya zusam­men mit Löw ab Juli 1848 herausgab, stellte sich aus dieser Haltung heraus schließlich kritisch - wenn auch nicht oppositionell - gegen die ungarische Regierung (Potemra, 1963, S. 3). 123 Danach redigierte er in Preßburg die politische Tageszeitung „Allgemeine Zeitung von und für Ungarn“. 70

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