Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)
3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches
beim Kaiser, die jedoch wie Kollar und František Hánrich77 den konservativen Flügel der Slowaken vertraten und die Position des Slowakischen Nationalrates selbst schwächten. Auch aufgrund der Grenzen, die die oktroyierte Verfassung vorgab, konnten diese keine Fortschritte in der slowakischen Eigenstaatlichkeit erzielen, sondern höchstens auf kulturellen und sprachlichen Gebieten. Am 10. April sprach sich die Wiener Regierung wiederum - trotz der Bemühungen Stadions - gegen eine Loslösung der Slowakei von Ungarn aus, die slowakischen Bemühungen blieben somit weiter erfolglos. Im April schließlich gelang den Ungarn ihre erfolgreiche Gegenoffensive, die bei den Slowaken die geheime Hoffnung schürte, Wien sei nun zu Zugeständnissen bereit. Auch bildete man in dieser Zeit erneut ein Freiwilligenkorps unter der Führung Lewartowskis. Am 8. Mai wurde dem Kaiser in Wien eine erneute Bittschrift unterbreitet, die allerdings von Štúr, Hodža und Húrban nicht unterzeichnet wurde, da sie für sie nicht tragbare Zugeständnisse enthielt und keine augenblickliche Lösung der slowakischen Frage forderte. So zeigten sich mittlerweile deutliche Differenzen im slowakischen Lager. Auf der einen Seite standen die „Štúrianer“, die auch in Regierungskreisen zunehmend als Revolutionäre abgestempelt, zurückgedrängt wurden, und auf der anderen die slowakischen Konservativen, die Vertrauensleute der Regierung. Die Differenzen zeigten sich vor allem in den Ansichten über eine Föderalisierung der Monarchie und damit die Autonomie der Slowakei sowie wiederum in der Frage der slowakischen Sprache. Hier war es vor allem Kollár, der sich für die tschechoslowakische Sprache und das dahinter stehende politische Konzept stark machte. Die Konservativen waren zu Zugeständnissen bereit und verließen sich auf die Zusage der Regierung, die Regelung der slowakischen Frage werde nach der Niederschlagung der Revolution erfolgen. Nach dem Einmarsch der Russen bis Ende Juli sah sich auch die ungarische Regierung zu Zugeständnissen in der Nationalitätenfrage bereit, so dass das Parlament in Debrecen am 28. Juli 1849 einen Vorschlag annahm, der jedoch reichlich zu spät kam und keine praktische Gültigkeit mehr erlangte. Das Gesetz gestand den nichtmagyarischen Gruppen das Recht zu, die eigene Sprache in der unteren Administration und im Gerichtswesen, an Grundschulen sowie im kirchlichen Bereich zu benutzen. Am 10. Juli erschienen auf die Initiative Alexander Bachs in Wien die Slovenské Noviny, als deren Redakteure D. Lichard78 und A. Radlinský79 fungierten.80 Die 77 František Hánrich (1800-1889): slowakischer Jurist. 78 Daniel Lichard (Geb. am 17.1.1812 in Slovenská Lupča, gest. am 17.11.1882 in Skalica) Fungierte seit 1847 als Herausgeber mehrere slowakischer Zeitungen. Gilt als erster professioneller Journalist der Slowaken. 79 Andrej Radlinský (Geb. am 8.7.1817 in Dolný Kubľn, gest. am 26.4.1879 in Kúty) Theologe, Linguist, Herausgeber. 80 Die sich allerdings im Sinne der Wiener Regierung und des Kaisers gegen einen Föderalismus aussprachen. Siehe dazu Kováč, Dušan: Internationale Zusammenhänge der slowakischen Frage in den Jahren 1849-1867, in: Kováč, Dušan/Suppan, Arnold/Hrabovec, Emilia (Hgg.): Die Habsburgermonarchie und die Slowaken 1849-1867, Bratislava 2001, S. 38. 55