Schiriefer, Andreas: Deutsche, Slowaken und Magyaren im Spiegel deutschsprachiger historischer Zeitungen und Zeitschriften in der Slowakei - Interethnica 9. (Komárno, 2007)

3 Die historische Entwicklung Ungarns und seiner Bevölkerung innerhalb des Hagsburgerreiches

Zunächst bis Ende des 12, Jahrhunderts erfolgte die Besiedlung der Zips aus den südlichen Komitaten Abauj und Torna, die schon seit Mitte des 12. Jahrhunderts von Deutschen besiedelt wurden. Im 13. Jahrhundert folgte eine durchgehende Besiedlung von Süden, als auch aus Schlesien im Norden. 1271 wurden die Zipser Deutschen durch Stephan V. einem eigenen Gespan unter­stellt. Ihm unterlag mit den von den Zipser Sachsen gewählten Richtern die Rechtsprechung. Außerdem waren die Zipser zum Militärdienst verpflichtet. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts setzte insgesamt eine zweite große Besiedlungswelle ein und dauerte fort bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Sie hing zusammen mit den Verwüstungen, die die Mongolen auf ihrem Vormarsch von 1241 hinterließen, nachdem sie sich nach dem Tode des Khans plötzlich und ungeschlagen wieder zurückzogen. In dieser Zeit fanden Siedlungen nun schon nicht mehr nur auf königlichen, wie im Falle der Zips und Siebenbürgens im 12. Jahrhundert, sondern auch auf privaten Gütern, wohl organisiert durch Lokatoren, statt. Die deutschen Dörfer lagen nun meist verstreut neben den­jenigen anderer Nationalitäten, so dass es nicht mehr zur Bildung großer geschlossener Sprachinseln kam wie noch bei den Siebenbürger oder Zipser Sachsen. Auch gab es gewisse wirtschaftliche Nachteile derjenigen Siedler, die nicht auf Königs-, sondern auf grundherrlichem Boden siedelten, da der Grundherr weitaus weniger Rechte vergeben konnte als der König selbst.53 Nach dem Schock und den Erfahrungen, die der Tatarensturm mit sich brachte, ging man vermehrt dazu über, befestigte Städte anzulegen. So fallen in diese Zeit die Gründungen mittelslowakischer Bergstädte auf königlichem Boden wie Schemnitz, Kremnitz, Neusohl, Pukanz oder auch Tyrnau und Preßburg (erhält bereits 1217 ein deutsches Recht) in der Westslowakei. In Städten, die sozusagen aus wilder Wurzel gegründet wurden, waren die Gründungsbewohner in der Regel fast ausschließlich deutsch. Bestanden jedoch schon vorher Siedlungen, konnten die Deutschen keine Ausschließlichkeit für sich beanspruchen. Neben der Befreiung von Abgaben auf bestimmte Zeit gehörte zu den wichtigsten Zugeständnissen an die Städte wohl die freie Richterwahl (gemäß des mittelalterlichen Personalitätsprinzipes in der Rechtsprechung) und die ausschließliche Zuständigkeit des Richters in allen Streitfragen ein­schließlich der Blutgerichtsbarkeit. Alle Freiheiten wurden gegen die Treue zum Herrscher gewährt. Zu dieser Zeit lebten in Ungarn etwa 2 Millionen Einwohner. Während die Aristokratie rein magyarisch war, fanden sich im niederen Adel auch Angehörige anderer Nationalitäten. Zu den Bürgern gehörten vor allem so genannte „Latini“, meist Wallonen und Franzosen, Deutsche, Magyaren und Slawen. Die Deutschen wurden stets in die politische Struktur Ungarns inte­griert, gleich, ob es sich um Siebenbürger oder Zipser Sachsen oder aber um die Bürger der deutschen Städte handelte. Sie alle wurden als „autonome Einheiten in die politische Struktur des Landes eingefügt."54 53 vgl. Fügedi (1975) S. 490. 54 Fügedi (1975), S. 493. 44

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