Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2008-2009 - Acta Ethnologica Danubiana 10-11. (Dunaszerdahely-Komárno, 2009)
Tanulmányok - Simon Attila: Cseh és szlovák telepesek kényszerű migrációja az első bécsi döntés után (Összefoglalás)
Nationalisierung der Wirtschaft beim Aufbau des Nationalstaates diente. Zu diesen Zielsetzungen bekannte sich die entscheidende Mehrheit der - im ethnischen Sinne - tschechisch-slowakischen Gesellschaft bzw. die Mehrheit der tschechischen und slowakischen Parteien ohne Vorbehalt. Dieser Konsens wurde vorwiegend durch folgende Tatsache ermöglicht: die tschechische bzw. slowakische öffentliche Meinung empfand die Aristokratie (die den größten Teil an Bodeneigentum besaß) als nicht „zum Körper der Nation gehörend”. Eine Bodenbesitz-Politik auf nationalen Grundlagen verwirklichte das Staatliche Bodenamt (SBA), das über nahezu unkontrollierbare Macht verfügte. Infolge der Tätigkeit des SBA war die Bodenreform für die ungarische Minderheit außerordentlich ungünstig; sie erhielt wegen der (national) voreingenommenen Besitzpolitik des SBA in den mehrheitlich von Ungarn bewohnten südslowakischen Kreisen nur noch 19% vom verteilten Ackerboden, während der Rest in tschechischem und slowakischem Besitz verblieb.1 Bei der Abwicklung und den Ergebnissen der Kolonisation, die einen wichtigen Teil der Bodenreform bildete, machen sich die bereits eiwähnten nationalstaatlichen Absichten noch markanter bemerkbar. Während eine große Zahl ungarischer, in der Südslowakei lebender Bauern keinen Anteil an dem bei der Bodenreform beschlagnahmten Großgrundbesitz hatte, wurden Hunderte tschechischer bzw. slowakischer Familien hierher angesiedelt. Mit der Ansiedlung einer Bevölkerung, die sich dem Staat gegenüber loyal verhalten würde, wollten die Führungskräfte des tschechoslowakischen Staates einerseits die bestehenden ethnischen Verhältnisse ändern, andererseits die Sicherheit der Staatsgrenzen erhöhen. Infolge der beiden Ansiedlungsmethoden (nämlich der vom SBA geleiteten staatlichen und der so genannten privaten Kolonisation) zogen insgesamt etwa 3 300 Ansiedlerfamilien in ungarische Sprachgebiete, und erhielten 45 Tausend Hektar Boden.1 2 Die Ansiedlungspolitik betraf insgesamt 143 Gemeinden; so hatte sie auf das Leben der Region einen wichtigen Einfluss und bedeutete eigentlich den Anfang für ethnische Veränderungen in der Südslowakei nach dem Trianon-Vertrag. In der vorliegenden Abhandlung möchte ich auf die tschechoslowakische Bodenreform, auf die Verwirklichung und die Ergebnisse der Ansiedlungspolitik nicht eingehen, da ich das anderorts bereits getan habe3; stattdessen möchte ich eher eine Antwort auf die Frage finden, wie sich das Schicksal der Ansiedler nach dem Ersten Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 entwickelte. Die Situation der Ansiedler während der tschechoslowakischen Krise 1938 Die ungarische Bevölkerung in der Südslowakei verfolgte die Ansiedlung der Kolonisten von Anfang an skeptisch und auch die oppositionellen ungarischen Parteien beschwerten sich über die Ansiedlungspolitik. So ist es kein Wunder, dass Budapest und die stärkste politische Organisation der Ungarn in der Slowakei (die Einheitliche Ungarische Partei) 1 NA ČR (Nationalarchiv ČR), f. SPU-VŠ (Staatliches Bodenamt - Allgemeine Schriften), k. 118, Einschätzung des Bodeneigentums der Minderheitsnation 2 Ein ähnlich großes Bodengebiet wie die Kolonisten (etwa 40 Tausend ha) bekamen in der Südslowakei auch die gegenüber dem Staate loyale Restbesitzer, wobei die ungarischen Einwohner lediglich 30 Tausend ha. bekamen. 3 Siehe u.a. folgende Abhandlungen: Simon 2004a; Simon 2004b; Simon 2007. 136