Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2003-2004 - Acta Ethnologica Danubiana 5-6. (Dunaszerdahely-Komárno, 2004)

Tanulmányok - Székely Zoltán: Középkori képoszlopok Győrött

des mittelalterlichen Brauchs der Aufstellung von Bildstöcken in Ungarn hingewiesen (Csemegi 1941, 190, 194-195), sowie auf stilistische und formale Parallelen mit den Den­kmälern in den anliegenden österreichischen Gebieten (Csemegi 1941, 194-195; Perger 1993, 362). In den Analysen wurde jedoch nicht auf die Möglichkeit der eventuell ausgedeh­nteren Verbreitung eingegangen. So wurde - wenn auch unausgesprochen - signalisiert, daß die Denkmäler in Sopron und Umgebung als direkte, aber kurzfrstige Auswirkung des nachbarlichen, österreichischen Einflusses zustande gekommen sind. Die folgende Arbeit kann sich natürlich nicht die Beantwortung dieses Fragenkomplexes zum Anliegen machen, sondern sie möchte lediglich mit einem kleinen Beitrag die bisheri­gen Kenntnisse erweitern und damit die Zahl der bekannten mittelalterlichen Bildstöcke ver­mehren. Zugleich möchte sie als methodisches Beispiel dazu dienen, wie die Einbeziehung bildlicher Darstellungen unserer Städte in die Forschung und ihre Nutzung gemeinsam mit den schriftlichen Quellen auch bei der Untersuchung sakraler Kleindenkmäler erfolgreich angewendet werden kann. Bei der Erstellung einer Karte von einstigen, heute aber schon nicht mehr vorhandenen sakralen Kleindenkmälern können wir zwei Quellen nutzen. Zum einen sind es die schriftli­chen Quellen, in denen aus irgendeinem Grund besagte Monumente erwähnt werden. Bei den ungarischen Quellengegebenheiten ist nur im seltensten Fall eine solche Quelle zu erwarten, in der es direkt um ein konkretes Denkmal geht, in der über Aufstellung und Benutzung einer Säule berichtet wird, doch kann es bei Testamenten auch hierfür Beispiele geben. Meistens sind wir auf solche Schriften angewiesen, in denen es in Verbindung mit einem anderen Thema auch um die Beschreibung sakraler Kleindenkmäler geht, z.B. Festhalten von Grundstücksgrenzen. Es ist jedoch ein großer Nachteil solcher Quellen, daß ihre Terminolo­gie nicht konsequent eingehalten und so die Identifizierung des erwähnten Monuments häu­fig problematisch wird. Bei der Klärung solcher Fragen können bildhafte Darstellungen sehr hilfreich sein, in erster Linie die sich seit dem Ende des 15. Jahrhunderts verbreitenden, auch topografisch nach Exaktheit strebenden Stadtansichten auf Druckdarstellungen. Unter ungarischen Ver­hältnissen birgt jedoch auch diese Gattung zahlreiche Probleme in sich. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das Land für anderthalb Jahrhunderte zum Kampfschauplatz, und es gab keinen Bedarf an Veduten, deshalb wurden die Drucke mit Stadtansichten fast ausschließlich im Ausland, vor allem in den großen deutschen Verlagszentren angefertigt. Dadurch wurde aber die Treue der Darstellung beeinträchtigt: Es gab wenig authentische, vor Ort gefertigte Darstellungen, und so sahen sich die Herausgeber veranlaßt, anhand von Beschreibungen und militärischen Zeichnungen zu arbeiten oder frühere Vorlagen umzugestalten. Auf all die hier aufgezählten Probleme trifft man bei der Bewertung von in Bild und Text vorhandenen Informationen, die auf spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Bildstöcke in Raab (Győr - Ungarn) hinweisen. Die Stadt Raab wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum wichtigsten Boll­werk des zum Schutz gegen die Türken errichteten Grenzbefestigungssystems ausgebaut. Über das damalige Bild der Stadt gibt es zahlreiche Stichdarstellungen. Von diesen ist aber aus unserer Sicht lediglich ein einziger Druck nutzbar. Er erschien 1597 im 5. Band der topo­grafischen Reihe von Georg Braun und Franz Hogenberg mit dem Titel Civitates Orbis Terrarum. Auf dieser Darstellung ist auch ein Bildstock abgebildet (Székely 2003). Nordwes­tlich der Stadt, im Dorf namens Sziget (= Insel), ist dieses an einen Bildstock erinnernde Objekt anzutreffen: Der Schaft ist pfeilerhaft ausgebildet, jedoch ist der obere Teil, der sich verbreitert, durch eine Nische gegliedert und mit einem Zeltdach abgeschlossen ist, nach oben 98

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