Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2003-2004 - Acta Ethnologica Danubiana 5-6. (Dunaszerdahely-Komárno, 2004)

Tanulmányok - Székely Zoltán: Középkori képoszlopok Győrött

Richtung der Stadtmauern. Dies entspricht vermutlich dem auf der Abbildung Angielinis dar­gestellten Objekt. Die Lokalisierung dieses südöstlichen Bildstocks neben den Friedhof ist schon deshalb eine beachtenswerte Angabe, weil sich bezüglich der Exemplare aus Sopron in der Fachlite­ratur ein Streit darüber entfacht hat, ob diese in Verbindung zu Friedhöfen gestanden haben könnten. József Csemegi, der sich zuerst mit dieser Frage beschäftigte, schloß dies nämlich aus (Csemegi 1941, 188), während Gyula Feiger das hiesige Vorhandensein dieser Praktik mit einem Exempel bestätigte (Perger 1993, 364). Ob aber das Exemplar in Raab zum in den österreichischen Provinzen häufig vorkommenden, auf Friedhöfen aufgestellten Typ der Totenleuchte gehört, können wir anhand der wenigen uns zur Verfügung stehenden Angaben natürlich nicht behaupten, doch ist eine solche Vermutung vielleicht nicht unbegründet. Die Angaben über sakrale Kleindenkmäler im spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Raab lassen sich noch um eine ergänzen. Ein Eintrag von 1524 im ersten Band der Abrechnun­gsbücher des Raaber Kapitels berichtet vom Pánzsakép (= Pánzsabild), das gegenüber einer Stelle, an der gefischt wurde, in nördlicher Richtung stand*. Aus dem wortkargen Bericht geht lediglich so viel hervor, daß genanntes Monument am Ufer des Baches Pánzsa oder zumindest in dessen Nähe gestanden haben muß. Der Bach floß in etwa südlich der Stadt von Osten nach Westen, von Szabadhegy her und mündete schließlich in die Raab. Die Pánzsa- Straße, wie aus ihrem Namen zu schließen ist, müßte am Ufer, welches auf der Seite nach Raab hin liegt, geendet haben. Diese Straße begann am alten Friedhof und war eine Straße, vielleicht sogar die Hauptstraße von Szentbenedekfalva, dem Dorf, das sich an der Veszpré­méi' Landstraße entlang erstreckt**. Das Pánzsakép (= Pánzsabild) könnte also am südlichen Ende des gegen die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zerstörten Stadtteils gestanden haben. Aufgrund des Mangels weiterer Angaben ist jedoch nicht zu entscheiden, um welche Art Objekt es sich handelt: um eine gemalte oder geschnitzte Statue - wie von dem angabenver­mittelnden Autorenkollektiv Jenei-Koppány angenommen (Jenei-Koppány 1964, 16)-, um ein Steinkreuz oder einen Bildstock. Über die Aufstellung oben genannter Denkmäler ist nichts Näheres bekannt. Auch kennen wir den genauen Zeitpunkt ihrer Zerstörung nicht. Wahrscheinlich sind sie den Kampfhan­dlungen im Türkenkrieg zum Opfer gefallen. In der Zusammenfassung läßt sich feststellen, daß sich den Schrift- und Bildquellen des 16. Jahrhunderts nach in Raab und den unmittelbar sich anschließenden Ortschaften wenig­stens vier sakrale Kleindenkmäler befunden haben. Drei davon waren gewiß Bildstöcke, von denen einer neben dem Friedhof aufgestellt war. Es ist wichtig anzumerken, daß sie, obwohl sie auf Angielinis Zeichnung an aus der Stadt führenden Straßen zu sehen sind, ursprünglich in bewohnten und in der Mitte des Jahrhunderts schon zerstörten Ortschaften aufgestellt wur­den. Über die Umstände und hauptsächlich den Zeitpunkt ihrer Aufstellung wissen wir nichts, * „Item anno Domini millesimo quingentesimo vigesimo quarto qucdam domus desolata et penitus diruta Budac penes Wcresthoron existons habita ad capitulum Jauriensis pertinentem ex consensu dicti capituli per magistrom Nicolaum de Kakatli arcliidiaconum rabensem ecclisiae jauriensis ven­­dita extitit pro fl LX. Cuius ... domus praetium exposition est et expensum ad locum seit piscinam in opposite Pansakep versus orientent fundatum et praeparatam.” Egyházmegyei Levéltár (Diözesanarehiv), Raab. A Győri Káptalan Magánlevéltára (Privatarchiv des Kapitels von Raab). Feudáliskori gazdasági iratsorozat (Wirtschaftsschriften aus dem feudalen Zeitalter), Számadáskönyvek (Rechnungbücher) I. 772. p. Zitiert: Jenei Koppány 1964, 16. ** Über Szentbenedekfalva und die Pánzsa Straße: Bedy 1938, 122 123: Borbíró Valló 1956, 77; Jenei Koppány 1964, 10. 101

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