Liszka József (szerk.): Az Etnológiai Központ Évkönyve 2000-2001 - Acta Ethnologica Danubiana 2-3. (Dunaszerdahely-Komárom, 2001)

1. Tanulmányok - Barna Gábor: Valóságos határok - szimbolikus világok

In welcher Weise betraf dies nun die Bewohner der plötzlich an neuen Landesgrenzen liegenden Gebiete, sowohl die Ungarn als auch die Nicht-Ungarn? Siedlungen und ganze Regionen, die bis dahin im Landesinnern lagen, befanden sich nun von einem Tag auf den anderen an der Peripherie. Die neue Landesgrenze verlief mitten durch einst zusammenge­hörende, verwaltungsmäßig und wirtschaftlich einheitliche Gebiete oder gar durch Siedlungen, zerriß Familien, spaltete Verwandtschaften auf und löste bis dahin funktion­ierende wirtschaftliche Beziehungen. Als Ergebnis dessen gibt es sowohl in Ungarn als auch in dem durch den Friedensvertrag von Trianon geschaffenen Groß-Rumänien die Komitate Szatmár und Bihar. Mehr oder weniger große Teile der Komitate Gömör, Nógrád, Hont, Esztergom und Komárom gelangten an die einstige Tschechoslowakei, an das Territorium der heutigen Slowakei. Von anderen Komitaten verblieben einzig und allein einige Siedlungen auf dem Gebiet des Mutterlandes, wie z.B. vom Komitat Arad, von dessen Territorium und Einwohnerschaft kaum einige Prozent auf dem Gebiet Ungarns liegen, oder die paar Dörfer vom Komitat Torontál. Und so gibt es am Verlauf der das Banat spaltenden Landesgrenzen z.B. zweimal die Orte Nagylak: einmal Nagylak (Ungarn) und einmal Nadlac (Rumänien), zweimal die Orte Csanád: einmal Magyarcsanád (Ungarn) und einmal Cenad (Rumänien). Ich kann Orte auch an der ungarischen-slowakischen Grenze erwähnen, wie Komom (Komámo/Komárom), Balassagyarmat/Slovenské Ďarmoty, Sátoraljaújhely/Slovenské Nové Mesto usw. Hinter den ständigen änderungen der Verwaltungsgrenzen in der Slowakei steckt nicht nur ein Anspruch einer territorialen Rationalisierung und Wirksamkeit, sondern der latente Anspruch auf Zerstörung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, vor allem aber eth­nischen Verbindungsfaden. Die Erinnerung an die Zusammengehörigkeit, an die einstige “Unbegrenztheit”, ist heute noch im Banat bzw. in der Südslowakei ansässigen Ungarn, aber auch in den Rumänen, den Deutschen, den Slowaken und den Serben lebendig. In diesem Gebiet wird so z. B. das aus spezifischen mentalen Landkarten kreierte Banat-Bewußtsein offenbar (Greffner 1996, 109-111), das durch die Anziehungskraft des Wallfahrtsortes Maria- Radna zudem eine sakrale Legitimation erhält (Bálint 1994, 49-52.; Bálint-Bama 1994, 178- 182, 336-337). Die Räume sind demzufolge wichtig, um eine kollektive Identität zu konstru­ieren (Thomassen 1996,45). Und diese muß immer wieder neu geschaffen werden. Es scheint, als sei die ethnische Identität kein unveränderliches, verfestigtes Gemeinschaftsprodukt, son­dern würde sich von Generation zu Generation, ja nicht selten sogar im Verlauf des Lebens eines Individuums wandeln (Thomassen 1996, 41). Durch die Grenzziehungen nach dem Frieden von Trianon wurden vor allem die westlichen, vorwiegend von Ungarn besiedelten Gebiete von der Region abgetrennt, wodurch der Bevölkerungsanteil an Ungarn z.B. bei der Umsiedelung in die Städte stark zurückging. Das führte im Verlauf der Jahrzehnte nach dem Anschluss an Rumänien dazu, daß in den Städten die absolute Mehrheit der Ungarn (Arad) bzw. ihre relative Mehrheit (Temeschwar) verloren ging.'0 Ähnlich geschah es in der Slowakei, in der Gegend von Kaschau. Nur selten stellen die Grenzen eine scharfe Trennlinie dar. Hier könnte eher die Rede von Grenzbereichen sein, schon allein deshalb, weil im Laufe der Geschichte zahlreiche ethnische Gruppen und Regionen durch politische Grenzen aufgespalten wurden. Somit kam es bei den Gruppen und Regionen, die verschiedenen Staaten zugeordnet worden waren, zu unter­schiedlichen, voneinander abweichenden Entwicklungen, je nachdem, wie diese sich in die wirtschaftliche und soziale Ordnung der gegebenen Staaten integrierten." 10 Rónai 1993,100-167; Romnia. Historischer-Geographischer Atlas. Editura Academiei Romne. Bucureti, 1996. 129, 131, 133, 135. 11 Thomassen 1996, 39-40.; Lehrreiche Gedanken zur Herausbildung des eigenen Raumes und des Lebens darin sind zu lesen bei Ilien Jeggle 1978. sowie unter dem Titel : Jeggle 1992. 31

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