Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)
Quellen - Auszüge aus den Ratssitzungprotokollen
aller derjenigen, die nicht unter der Knute des dort herrschenden Machthabers stehen. Wir haben diesen Betrag damals beantragt, weil wir in den Ungarn stellvertretend unsere eigenen Volksgenossen sehen, die unter dem gleichen System leiden und durch das gleiche System geknechtet sind. Das gleiche, was den Ungarn passiert, kann in dem mitteldeutschen und dem östlichen Teil unseres Vaterlandes genau so passieren. (Zuruf: Ist schon!) Meine Herren, wogegen wir uns aber wenden, ist, daß man nun einen Teil dieses neuzubewilligenden Betrages zur Notlinderung bei den Ägyptern verwenden will. Wir empfinden diese Formulierung Ihres Antrages als eine Verbeugung vor Moskau. (Zurufe von links: Oh! Oh! - Lauter Pfui-Ruf. - Unruhe) (Ratsvorsitzer: Ich bitte um Ruhe, meine Herren!) Ich erkläre, daß die CDU-Fraktion dem Antrag der SPD-Fraktion nicht zustimmt; ich, meine Herren, beantrage vielmehr, den Ungarn einen weiteren Betrag von 1000 Mark zur Verfügung zu stellen. Ratsvorsitzer: Herr Klute! (Kürzer undeutl. Zuruf) Klute FDP: Ich glaube, meine Herren, die Sache ist an sich viel zu edel, als daß man sich hier in dieser Form darüber auseinandersetzen sollte! Daß wir helfen wollen und sollen, das ist „unsere verdammte Pflicht" und auch unser innerstes Wollen. Und ich darf Sie vielleicht bitten, jetzt schon zu überlegen - das ist die hier zu entscheidende Frage, ohne davon zu reden, ob man sich vor diesem oder jenem verbeugt oder nicht -, ob es Sache eines Stadtparlamentes ist, politische Entscheidungen zu treffen oder nicht. Denn es ist sehr wohl ein Unterschied, ob ich sage: Hier sind 100 000 Menschen, die ihr Vaterland verloren haben und die keine Einrichtung mehr besitzen aus eigenem, also keine „ungarische Einrichtung", die ihnen hilft - oder ob ich sage, hier sind Menschen in einem Land - das kann Ägypten und auch Indien oder Korea und sonstwie heißen - in Not geraten, und wir wollen aus irgendeinem Grunde - um zu zeigen, daß uns die Aggressoren oder sonst jemand nicht paßt - ihnen etwas zukommen lassen. Das ist ein sehr großer Unterschied! Denn diese geschädigten Ägypter leben ja noch in ihrem Staat. Durchaus! Und sie haben ja die Möglichkeit, aus ihren Staat noch die Hilfe zu erhalten. Wenn Sie es so herum sehen, werden wir uns in Zukunft entschließen müssen, bei allen irgendwie gearteten Notständen bei irgendeinem Volk auf dieser Erde uns zu überlegen, ob wir nicht unsererseits mithelfen wollen.