Die frage der Ungarn-Flüchtlinge von 1956 in Iserlohn. Quellensammlunk - A Szabolcs-Szatmár-Bereg Megyei Levéltár Kiadványai II. Közlemények 35. (Nyíregyháza, 2006)
Quellen - Zeitungsartikel
Doppelstockbetten aufgestellt. Als Heizung diente ein kleines Oefchen. Heizmaterial mußte gestellt werden. Von der Art der Matratzen ist besser zu schweigen. Irgendwelche Annehmlichkeiten - Waschen, Frühkaffee, Verpflegung - gab es nicht. Pro Tag muß jeder eine Mark zahlen. Das ergibt im Monat 240 DM. Da noch ein zweiter keineswegs besserer Raum mit derselben Anzahl Betten eingerichtet wurde, kalkulierten die ehrbaren Wirtsleute mit dem hübschen Reinverdienst von monatlich 480 DM. So etwas ist unbegreiflich ! Nüchterner Kalkül setzt sich hierüber die primitivsten Begriffe der Menschlichkeit hinweg. Zum Glück ist aber auch das einmalig. Allein dieses eine Vorkommnis bleibt genügend erschütternd. * Aber es geht auch anders: In vielen Betrieben wurden von den Arbeitern und den Chefs herzliche Empfange für die neuen ungarischen Kollegen hergerichtet. Oft wurden Einladungen sofort ausgesprochen. Kleine Geschenke bereiteten eine helle Freude. Wir erlebten, wie ein Meister den ungarischen Arbeiter und seine Frau zu Weihnachten einlud. „Mein Herz ist so dankbar", war das einzige, was der junge Mann darauf sagen konnte. * Am schwierigsten ist die Verständigung. Die Flüchtlinge sprechen kein Wort Deutsch. In wahrhaft unermüdlichem Einsatz steht Frau Scheffer als Dolmetscherin zu jeder Zeit zur Verfügung. Sie war in Ungarn verheiratet und beherrscht die ungarische Sprache fließend. Ein unbeschreibliches Strahlen geht über die Gesichter der Ungarn, wenn diese Frau zu ihnen kommt. Ein wahrer Redefluß ergießt sich dann. Auf die kleinsten Fragen antworten sie mit Feuer und Temperament aufs ausführlichste, Sprechen können, in ihrer Muttersprache, mit der sie sich so gut wie überhaupt nicht hier in einem fremden Lande verständlich machen können - das ist ein Glück, das ihnen durch diese Frau gebracht wird. Frau Scheffer hatte eine großartige aber auch zugleich ganz einfache Idee. Sie wußte, daß es den Leuten ja kaum möglich ist, etwas zu kaufen, nach etwas zu fragen. Da zieht sie irgendeinen Zettel aus ihrer Handtasche und schreibt zum Beispiel darauf in deutscher Sprache: „Ich möchte einen schönen Blumentopf kaufen. Ich bezahle ihn jetzt, wann kann ich ihn am 24. Dezember abholen?" Mit diesem Zettel geht der Ungar in einen Laden und bekommt was er wünscht. Auf diese Weise ist in vielen Fällen wunderbar geholfen worden. Die ersten guten Nachrichten von der Arbeitsleistung und dem Arbeitswillen der Flüchtlinge sind spontan beim Arbeitsamt eingegangen. Immer wieder wurden von Vertretern des Arbeitsamtes die Flüchtlinge gefragt, wie sie zufrieden seien und wie es ihnen gefalle. Und immer wieder