Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)

Die Ermittlung

keine Angst, bloß befürchtete ich, dass es zu einem Konzeptionsprozess käme, wenn man den Hund an mich her­anließe. Er beschnüffelte ganz lang, fast 3 bis 4 Minuten lang die Polizisten. Meine Hände waren hinten zusammengefaltet, der Hund schnüffelte an mir herum, war etwa eine halbe Minute bei mir, dann umkreiste er mich zwei bis drei Minuten lang und leckte mir hinten die Hände. Meine Hände schwitzten. Die Witterung wurde beendet, weil der Hund nichts anzeigte. Ich weiß nicht, was er hätte tun sollen. Danach wurde ich in den Arrest zurückbegleitet. Es folgte wieder ein Verhör Man bedrohte mich mit der 'Kádár-Wurst’. Ich sagte: ’Nehmen Sie zur Kenntnis, ich bin ganz unschuldig. Sie sind auf der falschen Spur bei der Suche nach dem Mörder. ’ Sie wollten um jeden Preis beweisen, dass ich in Szentgotthärd war und es mir möglich war, um zwei Uhr wieder in Répcelak zu sein. Ich dachte entsetzt, damals kam es so oft vor, dass wir untereinander die Arbeitsschichten tauschten, wir hatten ja sehr viel Arbeit. An diesem Tag bat mich mein Arbeitskollege zu tauschen. Ich wäre um 6 Uhr drangewesen, er bat mich einfach, für ihn um 2 Uhr zu kom­men. Dies erzählte ich in der Polizei, darauf fuhren die Ermittlungsbeamten sofort nach Répcelak und verhörten meinen Arbeitskollegen. Von ihm erfuhren sie, dass nicht ich um den Tausch gebeten hatte, sondern er. Mehrere Zeugen behaupteten, dass er mich gebeten hatte. Nach dem Verhör in der Nacht legte ich mich hin, mich zu beruhigen. Die Zellen waren so eingerichtet, dass ein Ofen zwei Zellen heizte. Durch das Gitter sprach mich jemand an: ’Mein Freund, wie sind Sie hierher geraten?’ Man musste sich beugen, um die Stimme hinter dem Eisengitter vernehmen zu können. Er erklärte, er wäre ertappt worden, als er Weihnachtsbäume nach Budapest liefern wollte, aber keine Bewilligung dazu gehabt hätte. Ich erzählte ihm, was mir geschehen ist, es sei eine bösartige politische Sache. Dann erzählte ich ihm kurz meine Lebensgeschichte. Schließlich fragte ich ihn: ’Würden Sie eine Nachricht weiter­leiten? Dann würde ich von meiner Familie, meinen Geschwistern und meiner Frau Abschied nehmen. Es kann sein, dass ich hingerichtet werde. Jetzt ist alles möglich, 93

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