Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)

Die Ermittlung

Nachdem der Mord geschehen und gemeldet worden war, musste man warten, bis die Ermittlung anfing, denn die Polizisten des Polizeipräsidiums von Szentgotthárd konnten nur den Tatort absichern, weil die Ermittlungsbeamten erst am Sonntag Vormittag ankamen. Der Leichnam von János Brenner wurde von einem Polizisten bewacht, der nach der Aussage von Dr. László Hantos unsys­tematisch und nicht nur von einer Seite an den Getöteten heranging. Der Arzt machte ihn darauf aufmerksam, dass er auf diese Weise die Spuren verwischt und zerstört. Katalin Somfalvi erinnert sich an den Beginn der Ermittlung: „ Gegen 8-9 Uhr morgen kam die Polizei zum Tatort. Der Kaplan war schon tot. Im Laufe des Tages wurde der Leichnam in die Scheune gebracht, man machte die Kammertür ab und darauf wurde die Obduktion vorgenom­men. Dabei habe ich nicht zugeschaut. (Da muss ich etwas bemerken: Nach der Obduktion wuschen wir die Kammertür draußen im Garten ab, wo eine Erdbeerpflanze stand. Nächstes Jahr brachte diese Pflanze so große Erdbeeren, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Mit Erstaunen betrachteten wir die Früchte.) “ Endre Lamatsch, Kaplan von Szentgotthárd, wurde von den Ermittlungsbeamten verhört. Er berichtet darüber: „Es ist überraschend, dass im Fall eines Priestermordes sofort die Staatssicherheitsbeamten die Ermittlung in die Hände nah­men. Besonders, wenn sie von vornherein wussten, dass es um eine 'Frauengeschichte' oder 'Frauengeschichten' geht und der Beweggrund des Mordes Liebesrache ist. Mit der Ermittlung war es so 'eilig', dass die Ermittlungsbeamten von Szombathely zum Tatort des Mordes, der in der Nacht geschah und gemeldet wurde, erst am Vormittag um halb neun kamen. 84

Next

/
Oldalképek
Tartalom