Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)

Skizze über die Verfolgung der katholischen Kirche in Ungarn (1945-1957)

Nähe.) Diese Hecke hatte einen so schmalen Durchgang, dass der Zweig unsere Schultern streifte. Hinter der Hecke befand sich direkt eine Saat. Am Ende des Feldes, das mit Gras bedeckt war, sah ich keine Spuren, aber in der Saat schon. Dort war wahrscheinlich der Ort des ersten Handgemenges. Der Platz ist also ca. 100 m von der Kirche entfernt, wo er zum ersten Mal angegriffen wurde. Dann sah ich Spuren ver­schiedener festlicher Männerschuhe, also keiner Schnürstiefel, keiner Stiefel, sondern von feinen Schuhen. Unter den Männerschuhspuren entdeckte ich auch Spuren eines Stöckelschuhs. Es waren ganz frische Fußstapfen, denn die Erde war noch nicht gefroren, es fing sogar ein leichter Schneeregen an. Wir können annehmen, wenn diese Spuren in der Saat nicht von Schnürstiefeln oder festen Männer schuhen, sondern von feineren Schuhen herkommen, dass ihre Träger von einer Veranstaltung, vielleicht sogar von einem Polizistenball kamen. Damals, gerade spät am Abend, besonders im Dezember, trug kein Bauer festliche Schuhe. Solche Schuhe zieht ein Bauer an, wenn er an einer Feier teilnimmt. Kaplan Brenner wurde mehrmals misshandelt, denn seine persönlichen Sachen wurden an verschiedenen Orten gefun­den, wie z.B. das Kreuz 200 m von der Kirche entfernt. Er hätte mehrmals die Möglichkeit gehabt zu entfliehen, da er ja die Gegend kannte, weil er oft auf diesem Weg ging. Er tat dies aber nicht, er war sich seiner Berufung bewusst. Augenzeugen, János Horváth und sein Kollege, die von der Arbeit nach Hause gingen, sahen um Viertel nach zwölf in der Nacht aus der Ferne schwankendes Licht in der Nähe der Kirche. Also wurde der Kaplan bereits um Mitternacht aus dem Pfarrhaus herausgerufen und (wie wir es später erfuhren) um drei Uhr wurde in der Polizei gemeldet, 'wir haben die Aufgabe erfüllt'. Er legte also den 20 Minuten Weg in mehr als zwei Stunden zurück. Währenddessen wurde er mehrmals erwischt, aber er entkam ihren Händen. Er hätte die Möglichkeit gehabt, zu fliehen, aber er rettete sein Leben nicht, sondern wollte seine Pflicht erfüllen, nämlich dem Kranken die Sakramente zu spenden. Am Haus des nicht existierenden Kranken kam es zum letzten Handgemenge, wo mehrere schon auf ihn warteten, denn an 74

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