Császár István - Soós Viktor Attila: Der ungarische Tarsitius. Das Leben und Martyrium von János Brenner, 1931-1957 (Szombathely, 2003)
Bekenntnisse
Bruder. Dieses Attribut habe ich unwillkürlich gesagt, aber ich widerrufe es nicht. Sein älterer Bruder László hieß in unserem Orden Tóbiás. Sein ernstes und begabtes Wesen ließ auf eine Zukunft im Zisterzienserorden hoffen. Man sagte, sein jüngerer Bruder János käme nach Zirc und würde Zisterzienser werden. Ich dachte, er sei auch so ernst wie sein Bruder. Bei unserer ersten Begegnung sah ich in seinen Augen, dass dieser junge Mann Sinn für Humor hat. Das ist bei mir eine gute „Eintrittskarte“. Das war mein erster Eindruck von ihm. [...] Ich entdeckte in ihm gute Anlagen wie der Bildhauer Rodin, wenn er ein schönes Marmorstück fand. Wenn er ein großes fand, sah er darin bereits den denkenden Menschen, wenn ein kleines, dann entdeckte er die Hand des Schöpfers. Das Erlebnis der ersten Begegnung hatte etwas Ähnliches. Ich machte dabei keine großen Überlegungen und denke, er ebenso wenig. Es tat ihm einfach gut, dass sich ihm eine weitere Perspektive in der zweifachen Wissenschaft der Bibel eröffnete: ich lehrte zum einen Einführung in die Bibel, wo es um die Entstehung, Geographie, Völker, Sprache und andere Grundlagen der Bibel ging, zum anderen Exegese (Bibelauslegung), die sozusagen mein Hobby ist. János liebte es auch, sich mit einzelnen Wörtern zu beschäftigen. Das ist so ähnlich, wie wenn ein Kind gern ein Spielauto auseinandernimmt und es wieder zusammenbaut und das tut es später dann mit einem großen Auto. Das ist eine sehr schöne Sache, eine Leidenschaft, die Leidenschaft des denkenden Menschen. [...] In der Heiligen Schrift beschäftigten wir uns am meisten mit den Psalmen. Wenn wir ein Wort untersuchten und überlegten, was alles darin steckt, sah ich, wie seine Augen strahlten. in